Austria meets United Kingdom: Abwechslungsreicher Kongress der European Dairy Farmers
Bildergalerie
(9 Fotos)
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
© EDF Congress 2026, Photos by Thomas Ix
Der jährliche EDF-Kongress
Jedes Jahr treffen sich Milchbauern und Partner aus der Milchbranche, um sich zu globalen Trends im Milchsektor auszutauschen und die Milcherzeugung im jeweiligen Gastgeberland kennen zu lernen. Der jährliche EDF-Kongress bietet eine einzigartige Plattform, um sich mit anderen Milcherzeugern und Partnern aus der Milchbranche zu vernetzen. Bei einem spannenden Mix aus Vorträgen, Workshops, Betriebsbesichtigungen und Rahmenprogramm begegnen sich Milch-Profis aus über 20 Ländern.
Milchwirtschaft im Vereinigten Königreich
Die Milchwirtschaft im Gastgeberland war seit dem Brexit einem starken Wandel unterworfen. Zwar wanderte die Entscheidungshoheit für den Agrarsektor von Brüssel wieder nach London, Cardiff, Edinburgh und Belfast, gleichzeitig verloren die Briten aber den Zugang zum Binnenmarkt. Nationale öffentliche Gelder für die Betriebe wurden fast gänzlich eingestellt. Der in Großbritannien bezahlte Milchpreis liegt etwa 3 Cent unter dem EU-Durchschnitt.
Vergleich milchwirtschaftlicher Kennzahlen Österreichs und des Vereinigten Königreichs für das Jahr 2025
| Österreich | Vereinigtes Königreich | |
| Anzahl Milchviehbetriebe | 21.736 | 6.580 |
| Anzahl Milchkühe | 0,53 Mio. | 1,59 Mio. |
| Mittlere Betriebsgröße | 25 Kühe | 175 Kühe |
| Milchanlieferung | 3,7 Mio. Tonnen | 13,0 Mio. Tonnen |
| Selbstversorgungsgrad mit Milch und Milchprodukten | 113% | 85% |
| Exportanteil | 45% | 16% |
| Wichtigstes Milchprodukt | Käse | Trinkmilch |
| Größte Molkerei | Berglandmilch | Arla |
Freie und gekoppelte Milchpreise
Eine Besonderheit des britischen Milchmarktes sind gekoppelte (aligned) und freie (non-aligned) Milchpreise. Gekoppelte Milchpreise binden sich an die Wertschöpfungskette einer Kooperation von Molkerei und Lebensmitteleinzelhandel. Für die teilnehmenden Betriebe wird eine Betriebskostenerhebung durchgeführt. Der Vertrag garantiert einen definierten Zuschlag auf die durchschnittlichen Produktionskosten der teilnehmenden Betriebe. Dadurch erhalten die Betriebe mehr Planungssicherheit. Freie Milchpreise hingegen orientieren sich monatsaktuell am Marktgeschehen - Angebot, Nachfrage, Verwertung. Dies führt zu stärkeren Preisausschlägen, nach oben wie nach unten.
Eigentum oder Pacht?
Eine weitere Besonderheit sind die Besitzverhältnisse. Sowohl das britische Königshaus als auch andere adelige Familien besitzen in Großbritannien riesige Ländereien. Einen kleinen Teil davon bewirtschaften sie selbst. Der Großteil davon wird aber an Landwirte verpachtet. Die Pacht umfasst in der Regel nicht nur die Flächen, sondern auch eine komplette Hofstätte mit Wohnhaus, Ställen, Wirtschaftsgebäuden und teilweise Maschinen. Pachtdauern von 20 bis 40 Jahren sind üblich. Danach kann der Verpächter den Vertrag mit dem Pächter verlängern, aber auch auslaufen lassen und den Betrieb neu ausschreiben. Alle vom Pächter getätigten Investitionen in bauliche Anlagen bleiben nach Auslaufen des Pachtvertrages am Betrieb und somit im Eigentum des Verpächters. Dieses System führt dazu, dass Pächter sehr scharf kalkulieren und oft nur zwingend notwendige Investitionen am Betrieb tätigen. Drei der sieben beim Kongress besichtigten Betriebe waren gepachtet.
Der Veranstaltungsort Chester, im Nordwesten Englands, war nicht zufällig gewählt. In den Chester Plains findet man die höchste Konzentration an Milchviehbetrieben in ganz Großbritannien. Boden und Klima eignen sich ideal für den Futterbau. Aufgrund des kühlen und feuchten Klimas ist es aber ein Grenzstandort für Silomais.
Unterschiedliche Betriebsstrategien
Manche Betriebe verfolgen eine weidebasierte Low-Input-Strategie. Meist in Kombination mit Blockabkalbung im Herbst oder Frühling. Dadurch wird der Anteil günstigen Weidefutters in der Jahresration maximiert und die Produktionskosten, besonders die Futterkosten pro Kuh sinken. Die Milchleistungen lagen zwischen 8.000 und 9.000 kg. Voraussetzung für die Umsetzung ist eine ausgeklügelte Weidestrategie mit Koppeln und Triebwegen. Die einzelnen Koppeln werden je nach Zuwachs alle 20-30 Tage für 1-2 Tage bestoßen.
Es gibt aber auch High-Output-Betriebe mit ganzjähriger Stallhaltung. Diese füttern vorwiegend mit totaler Mischration auf Gras- und Maissilagebasis. Diese Betriebe erreichen deutlich höhere Milchleistungen (>11.000 kg), haben aber auch höhere Futter, Gebäude- und Maschinenkosten.
Vorherrschende Rasse ist Holstein Frisian, wobei aber die Weidebetriebe auf irische Genetik setzen. Um die Erlöse aus dem Tiererlös zu erhöhen werden 53 % der Milchkühe mit Fleischrassen und 40 % gesext belegt.
Es gibt aber auch High-Output-Betriebe mit ganzjähriger Stallhaltung. Diese füttern vorwiegend mit totaler Mischration auf Gras- und Maissilagebasis. Diese Betriebe erreichen deutlich höhere Milchleistungen (>11.000 kg), haben aber auch höhere Futter, Gebäude- und Maschinenkosten.
Vorherrschende Rasse ist Holstein Frisian, wobei aber die Weidebetriebe auf irische Genetik setzen. Um die Erlöse aus dem Tiererlös zu erhöhen werden 53 % der Milchkühe mit Fleischrassen und 40 % gesext belegt.
Stimmen der Teilnehmer:innen aus Österreich
„Der heurige EDF-Kongress in England bot wieder sehr spannende Einblicke in die Milchwirtschaft im dortigen Land. Wir konnten uns unter anderem ein Bild von den typischen Weidebetrieben, genauso wie von intensiven Betrieben, die ganzjährig Stallhaltung betreiben, machen. Von einem meiner gewählten Workshops „Data Driven Decisions in Lameness Management“ konnte ich mir außerdem einige Anregungen für zuhause mitnehmen.“
Katharina, Milchbäuerin
„Mir hat das Networking und der gemeinsame Austausch imponiert. Ich habe Milchbauernkollegen aus England, Niederlande, Schweden, Belgien, Dänemark, Luxemburg und USA und deren Erfolgsgeschichten, aber auch Herausforderungen kennen gelernt. Beeindruckend waren auch die wirtschaftlichen Kennzahlen der Besichtigungsbetriebe. Gerade das Thema Stallplatzkosten spielte dort nur eine sehr untergeordnete Rolle.“
Bernhard, Milchbauer
„Interessant war, dass Großbritannien zehn Jahre nach dem Brexit heute eigentlich wieder für eine EU-Mitgliedschaft stimmen würde. Durch den EU-Austritt fehlt ihnen der Zugang zum wichtigsten Binnenmarkt direkt vor der Haustür. Die Betriebe arbeiten unter enormem Kostendruck, besonders jene die ihren Betrieb von Großgrundbesitzern pachten. Der Wert des Eigentums für unsere Familienbetriebe in Österreich wurde mir deutlich bewusst.“
Hannes, Milchbauer
Katharina, Milchbäuerin
„Mir hat das Networking und der gemeinsame Austausch imponiert. Ich habe Milchbauernkollegen aus England, Niederlande, Schweden, Belgien, Dänemark, Luxemburg und USA und deren Erfolgsgeschichten, aber auch Herausforderungen kennen gelernt. Beeindruckend waren auch die wirtschaftlichen Kennzahlen der Besichtigungsbetriebe. Gerade das Thema Stallplatzkosten spielte dort nur eine sehr untergeordnete Rolle.“
Bernhard, Milchbauer
„Interessant war, dass Großbritannien zehn Jahre nach dem Brexit heute eigentlich wieder für eine EU-Mitgliedschaft stimmen würde. Durch den EU-Austritt fehlt ihnen der Zugang zum wichtigsten Binnenmarkt direkt vor der Haustür. Die Betriebe arbeiten unter enormem Kostendruck, besonders jene die ihren Betrieb von Großgrundbesitzern pachten. Der Wert des Eigentums für unsere Familienbetriebe in Österreich wurde mir deutlich bewusst.“
Hannes, Milchbauer
European Dairy Farmers – Was ist das?
Die European Dairy Farmers wurden 1990 gegründet und sind ein international tätiger Verein von Milchbauern für Milchbauern. Neben einem internationalen Produktionskostenvergleich und dem Austausch von Ideen, Erfahrungen und Wissen zwischen zukunftsorientierten Milchviehhaltern, ist vor allem der jährlich in einem anderen europäischen Land stattfindende Kongress ein Highlight. Neugierig geworden? Für Rückfragen zu den European Dairy Farmers in Österreich steht Marco Horn gerne zur Verfügung: Tel. 05025923300, Mail marco.horn@lk-noe.at
Der nächste European Dairy Farmers-Kongress findet von 29.6. bis 1.7.2027 in Hämeenlinna in Finnland statt.
Der nächste European Dairy Farmers-Kongress findet von 29.6. bis 1.7.2027 in Hämeenlinna in Finnland statt.