Bauernhof trifft Supermarkt: Was Österreich wirklich über Landwirtschaft denkt
Wirtschaftliche Aspekte und Lebensmittelpreise werden wichtiger
Die Landwirtschaft ist in Österreich weit mehr als ein Wirtschaftszweig – sie ist ein Stück Identität. Das bestätigt auch die aktuelle Untersuchung von Key Quest eindrucksvoll: Die große Mehrheit der Bevölkerung sieht in der Landwirtschaft einen unverzichtbaren Pfeiler für Staat und Gesellschaft. Dieses Fundament ist stabil geblieben, auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit der letzten Erhebung im Jahr 2020 deutlich verändert haben.
Damals prägte die Pandemie den Alltag, heute sind es Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten. Und genau das spiegelt sich in den Ergebnissen wider: Während Nachhaltigkeit weiterhin wichtig ist, rücken wirtschaftliche Aspekte und Lebensmittelpreise stärker in den Fokus der Menschen.
Vertrauen hoch, Interesse differenziert
Rund 90 Prozent der Bevölkerung haben ein positives Bild von den Landwirt:innen – ein bemerkenswert hoher Wert. Besonders geschätzt werden ihre Rolle bei der Versorgung mit regionalen, hochwertigen Lebensmitteln sowie ihr Beitrag zur Krisensicherheit.
Auch das Interesse an landwirtschaftlichen Themen ist stabil geblieben. Ganz vorne liegen dabei Fragen zur Lebensmittelqualität, zum Umgang mit Tieren und zur Herkunft der Produkte. Themen also, die direkt am Esstisch der Konsument:innen ankommen.
Doch ein genauer Blick zeigt: Dieses Interesse ist nicht gleichmäßig verteilt. Vor allem jüngere Menschen fühlen sich der Landwirtschaft weniger verbunden. Sie informieren sich anders – stärker über digitale Kanäle – und legen beim Einkauf mehr Wert auf den Preis als auf Regionalität. Eine Entwicklung, die langfristig Aufmerksamkeit verdient.
Nähe wirkt stärker als jeder Kanal
Wenn es um Information geht, bleibt eines klar: Persönliche Begegnungen schlagen jeden Algorithmus. Gespräche mit Bekannten, direkte Kontakte zu Landwirt:innen oder Besuche am Bauernhof sind für viele die wichtigste Quelle, um sich ein Bild von der Landwirtschaft zu machen.
Gleichzeitig unterschätzen Landwirt:innen genau diesen Faktor deutlich. Sie gehen eher davon aus, dass klassische Medien oder Social Media den Ton angeben – ein Irrtum, wie die Studie zeigt. Hier liegt großes Potenzial: Wer direkt mit Menschen spricht, wird gehört – und verstanden.
Zwei Perspektiven, ein Thema: Medien
Tierwohl als gemeinsamer Nenner
Beim Thema Tierwohl hingegen herrscht überraschend viel Einigkeit. Für beide Gruppen steht fest: Entscheidend ist eine artgerechte Haltung mit ausreichend Bewegungsfreiheit. Auch ethische Aspekte wie Respekt gegenüber Tieren spielen eine zentrale Rolle.
Österreich wird dabei insgesamt als Land mit hohen Tierwohlstandards wahrgenommen. Dennoch gibt es einen klaren Wunsch nach besserer Kennzeichnung – sowohl bei der Herkunft als auch bei der Haltungsform tierischer Produkte. Transparenz bleibt also ein zentrales Anliegen.
Wer zahlt für mehr Tierwohl?
Wenn es um die Finanzierung zusätzlicher Tierwohlmaßnahmen geht, gehen die Meinungen auseinander. Die Bevölkerung sieht vor allem den Staat in der Verantwortung, gefolgt vom Handel und den Konsument:innen selbst. Landwirt:innen hingegen erwarten stärker Beiträge von Konsument:innen und Lebensmittelhandel.
Ein Punkt verbindet beide Seiten jedoch: Die Landwirt:innen sollen den geringsten Anteil tragen. Gleichzeitig zeigen sich viele Betriebe bereit, in mehr Tierwohl zu investieren – sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen und Planungssicherheit gegeben ist.