Beschädigte Knollen zählen nach wie vor zu den häufigsten Qualitätsmängeln im Erdäpfelanbau. Sie sind nicht nur ein direkter Verlust, weil man sie aussortieren muss, sie öffnen auch Eintrittspforten für Krankheitserreger.
Hier spielt die Einstellung des Erdäpfelroders eine Schlüsselrolle. Moderne Erntetechnik bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Gutfluss an unterschiedliche Bedingungen anzupassen. Entscheidend ist, dass man sämtliche Einstellungen konsequent auf Bodenverhältnisse, Ertragsniveau, Knollengröße und Witterung abstimmt.
Schonende Ernte beginnt beim Einstellen
Während des Rodevorgangs durchlaufen die Erdäpfel zahlreiche Stationen. Von der Aufnahme durch das Schar über die Siebketten bis hin zu Trenngeräten, Verlesetischen und Bunkern kommt es immer wieder zu Übergaben.
Jede dieser Stellen ist ein potenzielles Risiko für Stoß-, Druck- oder Schürfverletzungen.
Besonders problematisch sind
hohe Fallhöhen
große Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Förderorganen
Ziel einer schonenden Ernte muss sein, die Belastungen für die Knollen entlang des gesamten Ernteweges so gering wie möglich zu halten. Eine beschädigungsarme Rodung beginnt nicht erst auf dem Feld, sondern bereits bei der Vorbereitung der Maschine.
Verschleißteile kontrollieren und ersetzen
Beginn der Ernte sollten sämtliche Verschleißteile kontrolliert und gegebenenfalls ersetzt werden. Lose Bauteile, verschlissene Förderbänder oder beschädigte Siebstäbe können die Knollen erheblich belasten.
Polsterungen und Gummierungen kontrollieren
Ebenso wichtig ist die Kontrolle aller Polsterungen und Gummierungen. Harte Metallflächen sollten vermieden werden. Wo Erdäpfel auf Maschinenbauteile treffen, müssen die Kontaktflächen möglichst elastisch gestaltet sein. Darüber hinaus empfiehlt sich eine sorgfältige Reinigung des Roders vor Saisonbeginn. Ablagerungen, Roststellen oder scharfkantige Beschädigungen können ebenfalls zu Qualitätsverlusten führen.
Eine der wichtigsten Grundeinstellungen ist die Arbeitstiefe des Schars. Es muss tief genug arbeiten, um sämtliche Knollen sicher aufzunehmen. Gleichzeitig darf es nicht unnötig große Erdmengen fördern. Eine zu geringe Rodetiefe führt häufig zu Schnittverletzungen oder liegen gebliebenen Knollen.
Wird zu tief gerodet, wird deutlich mehr Boden aufgenommen. Die Folge sind ein höherer Leistungsbedarf und stärkere Belastungen der Siebeinrichtungen. Die optimale Einstellung orientiert sich zunächst an der tatsächlichen Lage des Knollennestes. Regelmäßige Kontrollen während der Ernte helfen, die Einstellung an wechselnde Bedingungen anzupassen.
Geschwindigkeit innerhalb des Roders
Ein häufiger Grund für Beschädigungen sind unterschiedliche Geschwindigkeiten innerhalb des Roders. Treffen Erdäpfel von einem schnell laufenden Förderband auf ein langsameres oder umgekehrt, entstehen Stoßbelastungen. Deshalb sollten sämtliche Förder- und Siebelemente möglichst harmonisch aufeinander abgestimmt werden.
Die Grundregel lautet: so langsam wie möglich, so schnell wie nötig. Eine überhöhte Geschwindigkeit steigert zwar kurzfristig die Flächenleistung, erhöht aber in der Regel auch die Zahl der Beschädigungen, was zu höheren Abzügen führen kann.
Die Trennung von Erde, Steinen und Krautresten gehört zu den wichtigsten Aufgaben moderner Erdäpfelroder. Dennoch gilt: Jede zusätzliche Reinigungseinrichtung belastet die Knollen zusätzlich. Rüttler und Trenngeräte sollte man deshalb nur mit der Intensität betreiben, die für eine ausreichende Abscheidung erforderlich ist. Vor allem unter trockenen Bedingungen werden Erdäpfel häufig unnötig stark beansprucht. In vielen Fällen lässt sich durch eine reduzierte Einstellung der Separiereinrichtungen die Knollenqualität deutlich verbessern, ohne die Schlagkraft wesentlich einzuschränken.
Maschineneinstellungen immer nachjustieren
Die optimalen Maschineneinstellungen ändern sich häufig bereits innerhalb eines Tages. Bodenfeuchtigkeit, Temperatur und Bodengefüge beeinflussen die Rodebedingungen stark. Trockene Böden lassen sich meist gut absieben, bergen jedoch ein erhöhtes Risiko für Schürf- und Stoßverletzungen. Feuchte Böden erschweren die Erdabscheidung und erfordern oft intensivere Trennvorgänge.
Besonders schwierig sind Felder und Witterungsbedingungen mit vielen Kluten. Hier muss man Rodetiefe, Fahrgeschwindigkeit und Trenneinrichtungen sorgfältig aufeinander abstimmen. Da sich die Rodebedingungen laufend verändern können, sollte man die Maschineneinstellungen regelmäßig überprüfen und an die aktuellen Verhältnisse anpassen.
Die Fahrgeschwindigkeit beeinflusst maßgeblich die Flächenleistung eines Roders. Trotzdem sollte die maximale Geschwindigkeit niemals das alleinige Ziel sein. Steigende Fahrgeschwindigkeiten erhöhen die Gutmengen auf den Siebketten und die Belastung sämtlicher Trenn- und Fördereinrichtungen. Dadurch nimmt das Risiko von Druckstellen und mechanischen Beschädigungen deutlich zu. Bewährt hat sich eine Fahrweise, bei der ein gleichmäßiger Materialfluss gewährleistet bleibt.
Fallhöhen sollte man konsequent reduzieren. Erdäpfel reagieren empfindlich auf mechanische Belastungen. Besonders kritisch sind Stürze aus größerer Höhe. Deshalb sollte man alle Übergabestellen regelmäßig kontrollieren. Oberstes Ziel ist, die Fallstufen zu minimieren, Übergaben abzupolstern und Schläge zu vermeiden.
Wichtige Maßnahmen sind
Wenige Zentimeter geringere Fallhöhe können Beschädigungen deutlich reduzieren. Selbst die beste Grundeinstellung ersetzt nicht die laufende Überwachung während der Ernte. Erfahrene Praktiker:innen kontrollieren deshalb regelmäßig die Qualität der gerodeten Ware. Beschädigte Knollen liefern wertvolle Hinweise darauf, an welcher Stelle des Ernteweges Anpassungen notwendig sind. Werden vermehrt Druckstellen, Schürfungen oder Schlagverletzungen festgestellt, sollte man Geschwindigkeit, Rodetiefe oder Reinigungseinrichtungen unmittelbar überprüfen. Häufig genügen kleine Korrekturen, um die Qualität deutlich zu verbessern.
Fazit: Potenziale der Maschine nutzen
Eine beschädigungsarme Erdäpfelernte ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen Maschinenvorbereitung, einer konsequenten Anpassung der Einstellungen an die jeweiligen Bedingungen und einer kontinuierlichen Kontrolle während der Rodearbeiten. Moderne Erdäpfelroder bieten dafür zahlreiche Möglichkeiten. Entscheidend ist jedoch, dass diese Potenziale auch genutzt werden.
Wer Rodetiefe, Fördergeschwindigkeiten, Reinigungseinrichtungen und Fahrweise optimal aufeinander abstimmt, reduziert Knollenbeschädigungen und erhöht die Lagerfähigkeit. Dadurch lassen sich Abzüge bei der Vermarktung vermeiden, was die Wirtschaftlichkeit des Anbaus deutlich verbessert.