Wie andere landwirtschaftliche Produktionszweige ist auch die Fischzucht von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und steht dadurch vor vielfältigen Herausforderungen. Steigende Temperaturen, häufigere Trockenperioden und Extremwetterereignisse verlangen immer öfter eine Anpassung der Bewirtschaftung. Betroffen sind die Karpfenteichwirtschaft und auch die Forellenaufzucht in Durchflussanlagen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.
Bäche und Flüsse werden wärmer
Veränderungen des Klimas führen auch zu einer allmählichen Erhöhung der Wassertemperaturen in den österreichischen Gewässern, was Auswirkungen auf die Ökologie und die Wasserqualität hat. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Pielach, ein südlicher Donauzubringer im Mostviertel. Im Mittellauf wurden im Jahr 2022 an insgesamt 54 Tagen mittlere Tageswassertemperaturen über 18°C registriert (Pinter et al., 2023). Zum Vergleich: Im Jahr 2013 gab es nur zwei solcher Tage (Pletterbauer et al., 2015). Die Sommertemperaturen des Jahres 2022 verdeutlichen den Zusammenhang mit den erhöhten Wassertemperaturen: Die Lufttemperatur des österreichischen Tieflandes lag sogar 3,5°C über dem Sommermittel der Jahre 1961-1990. Es war der drittwärmste Sommer seit 1767, also seit es Aufzeichnungen von GeoSphere Austria gibt (ehemals Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, ZAMG). Daher sind Anpassungsstrategien wichtiger denn je, um Stressfaktoren für Karpfen, Forelle und Co. frühzeitig zu erkennen und praxisorientiert entgegenwirken zu können.
Herausforderungen bei Trockenperioden und Extremwetterereignissen
Die Bewältigung von Trockenperioden und Extremwetterereignissen erfordert auch ein effektives Wassermanagement. In dieser Hinsicht hat die Karpfenteichwirtschaft im Vergleich zur Forellenaufzucht einen Vorteil, da für den laufenden Betrieb der Teichanlage weniger Wassermenge erforderlich ist. Speicherteiche können die Wasserzufuhr in extremen Trockenperioden ausgleichen. Eine weitere Anpassungsstrategie ist die Doppelfunktion von Teichanlagen zur landwirtschaftlichen Bewässerung und Fischproduktion. Es werden Wasserressourcen effizient genutzt und gleichzeitig hochwertige Lebensmittel wie Karpfen produziert. Eine wasserrechtliche Bewilligung für beide Nutzungen (Bewässerung und Fischteich) ist hierfür nötig. Bei Starkregenereignissen können die Teiche Regenwasser in der Landschaft zurückhalten, was zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit in Trockenperioden beiträgt. Allerdings sind nicht alle landwirtschaftlichen Kulturen für diese Bewässerungsart geeignet. Die Ausgestaltung der Wasserentnahme, beispielsweise mittels einer Tauchpumpe in einem Brunnenschacht im Teich, spielt ebenfalls eine Rolle.
Sauerstoffversorgung beeinflusst die Fischgesundheit
Steigende Wassertemperaturen haben direkte und indirekte Auswirkungen auf die Aquakultur und Fischgesundheit, die sorgfältig adressiert werden müssen, um die Produktivität der Teiche zu erhalten. Das sogenannte Temperatur-Sauerstoffdilemma verdeutlicht das Problem. Mit zunehmenden Wassertemperaturen sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, während der Sauerstoffbedarf der Fische steigt. Obwohl die Ansprüche der einzelnen Fischarten variieren, sind sowohl die Karpfenteichwirtschaft als auch die Forellenproduktion betroffen.
Eine Orientierung hinsichtlich der erforderlichen Sauerstoffgehalte im Wasser für die Karpfenteichwirtschaft und Forellenproduktion bietet die Unterlage "Handbuch Nutzfische - Selbstevaluierung Tierschutz" (Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz, 2023).
"Sauerstoff gelangt durch die Atmosphäre, durch Zuflüsse oder die Photosyntheseaktivität der Pflanzen in das Gewässer. Durch Atmung von Tieren und Pflanzen, durch Destruktion und Verlust an die Atmosphäre wird Sauerstoff verbraucht. Je kühler das Wasser, desto mehr Sauerstoff ist in ihm gelöst. In warmen Teichen, in denen Karpfen gehalten werden, ist demnach der Sauerstoffgehalt immer geringer als in Teichen mit kühlem Wasser, in denen Forellen herangezogen werden. Der Sauerstoffgehalt eines Karpfenteiches sollte zwischen 5 bis 9 mg/l liegen. Je mehr Fische in einem Teich sind, je mehr Pflanzen und je größer die Futtermengen, desto kritischer ist vor allem bei höheren Temperaturen im Sommer der Sauerstoffgehalt des Wassers zu beurteilen. Vor allem reichlich Algen und höhere Wasserpflanzen, die unter Tags sehr viel Sauerstoff produzieren, verbrauchen in der Nacht durch ihre Atmung entsprechende Mengen an Sauerstoff, sodass in den frühen Vormittagsstunden ein Sauerstoffdefizit entstehen kann. Kritische Sauerstoffsituationen kann die Teichwirtin bzw. der Teichwirt durch technische Belüftungseinrichtungen ausgleichen.
Der Sauerstoffgehalt im Wasser für die Salmonidenproduktion sollte dauerhaft nicht geringer als 7,0 mg/l betragen, um eine 100%ige Sättigung im Blut des Fisches zu gewährleisten. Technische Geräte zur Belüftung werden in der Forellenzucht meist eingesetzt, um Sauerstoffschwankungen zu kompensieren."
Tierhaltungsverordnung einhalten
Laut Tierhaltungsverordnung muss der Sauerstoffgehalt im Wasser den physiologischen Bedürfnissen der Fischarten entsprechen. In Karpfenteichen sollte der Sauerstoffgehalt nie unter 4 mg pro Liter fallen. Bei den Naturteichen gibt es durch die Photosynthese der Algen und Wasserpflanzen eine natürliche Schwankung des Sauerstoffgehaltes über den Tagesverlauf. Der Sauerstoffgehalt ist hier am frühen Vormittag am niedrigsten. Bei der Forellenaufzucht ist die Besatzdichte der Forellen so zu wählen, dass der Sauerstoffgehalt im Ablauf nicht unter 5 mg Sauerstoff pro Liter fällt. Bei geringem Sauerstoffgehalt kann die Fütterung angepasst oder sogar eingestellt werden, denn bei der Fütterung steigt die Stoffwechselrate der Fische und somit der Sauerstoffbedarf. Den Teich zu kennen, bedeutet die Gesundheit der darin lebenden Fische zu kennen, ganz nach dem Motto Teichwohl = Tierwohl.
Einige wenige Faktoren, wie Besatzzahlen, Fütterung und Kalkung/Düngung kann der Teichbewirtschafter beeinflussen, andere entziehen sich seinem Einfluss. Obwohl sich der Karpfen bei Temperaturen über 20°C durchaus wohlfühlt, kann es bei zu hohen Temperaturen zu kritischem Sauerstoffmangel kommen. Klimawandelbedingt verlängert sich die Produktionszeit, die herbstlichen Abfischtermine verschieben sich im Jahresverlauf Richtung Weihnachten. Kaltwasserfischarten wie Forellen stoßen schneller an ihre Grenzen. Die Wassertemperatur soll 20°C nicht überschreiten. Teichbeschattung, zum Beispiel in Form eines Sonnensegels kann die Wassererwärmung bei kleineren Teichen reduzieren.
Überwachung und Kontrolle durch Mess- und Belüftungstechnik
Eine Messtechnik, die Wasserparameter wie Temperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Leitfähigkeit erfasst, hilft dabei, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Durch den Einsatz automatisierter Belüftungssysteme kann die Sauerstoffversorgung bis zu einem gewissen Grad verbessert werden. Dabei gilt es, die Verfügbarkeit und Kosten für die Stromversorgung am Teich sowie technische Probleme und mögliche Ausfälle der Anlage vor der Anschaffung der Geräte zu beachten. Weiterhin sollten die Wasserparameter entlang der Wassersäule gemessen werden, um die Unterschiede vom Teichboden bis zur Wasseroberfläche erfassen zu können. Die frühe Erkennung von Abweichungen bei Sauerstoff, Temperatur und Co. schafft Handlungsspielraum und kann wirtschaftlichen Schaden an den Fischbeständen reduzieren.
Weitere Klimawandelanpassungsstrategien in der Karpfenteichwirtschaft
Tiefenbereiche schaffen: Im Gespräch mit Fischereimeister Günther Gratzl (BAW - Bundesamt für Wasserwirtschaft, Ökologische Station Waldviertel, Gebharts) konnten längerfristige Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel ermittelt werden. Durch die Schaffung von tieferen Bereichen im Karpfenteich kann kälteres Tiefenwasser über einen längeren Zeitraum gehalten werden. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn in Trockenzeiten kein Zulauf gegeben ist. Für dieses Vorhaben ist jedoch eine Anpassung der bestehenden wasserrechtlichen Bewilligung bei der Behörde zu beantragen.
Polykultur mit Marmor- und Silberkarpfen: Mit der Polykultur von traditionell genutzten Schuppen- beziehungsweise Spiegelkarpfen sowie Marmor- und Silberkarpfen könnte die Karpfenteichwirtschaft auch klimawandelangepasst genutzt werden. Die Idee ist, dass pflanzenfressende Marmor- und Silberkarpfen kein Zusatzfutter benötigen. Sie ernähren sich von Plankton, Detritus (abgestorbenes organisches Material) und Pflanzenresten, die nicht von anderen Fischarten genutzt werden. Durch die kontinuierliche Verjüngung der Algenpopulation durch Marmor- und Silberkarpfen kann sowohl das Risiko von Sauerstoffmangel als auch die Gefahr eines Zusammenbruchs der Algenpopulation aufgrund von Überalterung verhindert werden (Pfeiffer und Füllner, 2019). Absterbende Algen verursachen eine Sauerstoffzehrung, die man in der Bewirtschaftung verhindern will. Die Polykultur könnte zu einem stabileren Teichökosystem beitragen, was nun auch im Rahmen einer laufenden Meisterarbeit ausgelotet wird. Eine Herausforderung bleibt die Vermarktung von Marmor- und Silberkarpfen, da beide Arten kaum als Speisefische bekannt sind.
Weitere Klimawandelanpassungsstrategien von Durchflussanlagen
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft veröffentlichte im Jahr 2025 einen Arbeitsbehelf über Handlungsmöglichkeiten zur Wasserversorgung der Aquakultur während Trockenzeiten (Achleitner et al. 2025). Neben den wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen laut den Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie, die eingehalten werden müssen, werden mögliche Anpassungsmaßnahmen für Durchflussanlagen vorgeschlagen.
Nachfolgend eine Auswahl: Rückgabe an der Entnahmestelle: Für Notsituationen bietet sich das Rückpumpen von Anlagenablaufwasser an die Entnahmestelle an. Das gesamte im Vorfluter zur Verfügung stehende Wasser kann zur Erhaltung des Fischbestandes in der Durchflussanlage eingebracht werden und trotzdem wird die Restwassermenge eingehalten. Voraussetzung sind geeignete Standortbedingungen sowie Investitionen in die erforderliche Pump- und Leitungsinfrastruktur.
Notbrunnen: Zur temporären Überbrückung von Wasserdefiziten können nahegelegene Kleinbrunnen als Notwasserversorgung erschlossen werden, wobei hierfür eine wasserrechtliche Bewilligung sowie Investitionen in Brunnen, Leitungen und Pumpen erforderlich sind. Aufgrund einer möglicherweise geringen Sauerstoffsättigung des Grundwassers können zusätzliche Maßnahmen zur Wasseraufbereitung notwendig werden.
Fazit
In Zeiten des Klimawandels stehen Fischzuchtbetriebe vor Herausforderungen, jedoch bieten wohl überlegte Ansätze und Anpassungsstrategien Lösungen an. Aktives Wassermanagement, Beschattungsmaßnahmen, die Integration von Mess- und Belüftungstechnik sowie die Schaffung von Tiefenbereichen sind Wege, um die Aquakultur nachhaltig zu gestalten. Hierbei spielen Wissenschaft, Praxis und Innovation eine zentrale Rolle.
Ansprechpartner und hilfreiche Links
Benedikt Berger, MSc
T +43 5 0259 23108, benedikt.berger@lk-noe.at
Danecker, E. (1973). Forellenbesatz nach Sekundenlitern. Österreichs Fischerei, 26, 185-192.
Pfeiffer, M., Füllner, G. (2019). Auswirkungen des Klimawandels auf die Karpfenteichwirtschaft. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Arbeiten des Deutschen Fischerei-Verbandes e.V. Hamburg. Heft 98.
Pinter, K., Popp, S., Borgwardt, F. (2023). Das thermale Regime der Pielach: Sommerliche Wassertemperaturen, Fischökologie und der Einfluss anthropogener Eingriffe. Eine Studie im Auftrag des niederösterreichischen Landesfischereiverbandes und des Revierverbandes IV – St. Pölten. Universität für Bodenkultur Wien.
Pletterbauer, F., Pinter, K., Unfer, G. (2015). Fischökologische Studie zur Pielach unter besonderer Berücksichtigung der Wassertemperatur. Eine Studie im Auftrag des niederösterreichischen Landesfischereiverbandes und des Revierverbandes IV – St. Pölten. Universität für Bodenkultur Wien.
Achleitner, D., Bichler, A., Keil, F., & Lahnsteiner, F. (2025). Nachhaltige Wasserversorgung der Aquakultur während Trockenzeiten: Handlungsmöglichkeiten zur Notversorgung und Anpassung von Durchflussanlagen an die gewässerökologischen Anforderungen der Restwasserdotation. Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Abgerufen von BMLUK – Arbeitsbehelf Aquakultur
Dörflinger, M., & Eder, K. (2023). Handbuch Nutzfische: Selbstevaluierung Tierschutz (1. Aufl.). Wien, Österreich: Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.
Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz. (2023). Handbuch Nutzfische: Selbstevaluierung Tierschutz (1. Aufl.). Wien: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.