Ein starker Start . Gesunde Kälber machen Freude
Je problemloser und gesünder die Aufzucht am Betrieb ist, um so mehr Freude, aber natürlich auch potenziellen Gewinn, bringen die Kälber. Vor allem am Beginn der Entwicklung werden beim Kalb die Weichen Richtung Erfolg gestellt:
Station 1: In der Trächtigkeit
Noch im Mutterleib formen Einflüsse von außen unsere zukünftige Kuh. Auch wenn die top Anpaarungsplanung ein Spitzentier erwarten lässt, können negative Einflüsse, wie Erkrankungen oder Hitzestress, großes Potenzial verpuffen lassen. Viruserkrankungen wie Blauzunge, Schmallenberg und das in diesem Jahr neu aufgetretene Shamonda-Virus können sowohl Verwerfungen als auch schwere Missbildungen bei Kälbern verursachen. Trächtige Kühe vor diesen, über Vektoren übertragene, Viren zu schützen, ist kostspielig (Impfungen wo vorhanden und erhältlich) und aufwendig (Vergällungsmittel und Insektenschutz gegen die virusübertragenden Gnitzen). Klassische Biosicherheitsmaßnahmen, wie Verkehrsbeschränkngen am Betrieb und Quarantäne für Neuzugänge sind hier machtlos.
Gar nicht machtlos sind wir beim Thema Hitzestress. Was sich bei der laktierenden Herde schon durchgesetzt hat, darf auch den schwerträchtigen Tieren nicht vorenthalten werden. Kälber hitzegestresster Kühe kommen, laut einer Studie aus 2016, mit einem deutlich geringeren Geburtsgewicht zur Welt und geben später als Kuh auch weniger Milch.
Gar nicht machtlos sind wir beim Thema Hitzestress. Was sich bei der laktierenden Herde schon durchgesetzt hat, darf auch den schwerträchtigen Tieren nicht vorenthalten werden. Kälber hitzegestresster Kühe kommen, laut einer Studie aus 2016, mit einem deutlich geringeren Geburtsgewicht zur Welt und geben später als Kuh auch weniger Milch.
Station 2: Geburt und Kolostrum
Bei und direkt nach der Geburt sind kritische Momente, sowohl für Kuh als auch für das Kalb. Die Sauberkeit bei der Geburt hat direkten Einfluss darauf, wie groß das Risiko für Neugeborenen-Durchfall beim Kalb ausfällt. Viele Faktoren aus dem letzten Trächtigkeits-Drittel, wie Fütterung und Hitzestress, können beeinflussen, wie reibungslos die Geburt verlaufen wird und wie schnell sich die Kuh wieder davon erholt.
Auch die Bildung des Kolostrums fällt in die letzten Tage der Trächtigkeit. Dieses flüssige Gold legt nicht nur den Grundstein für eine gute Entwicklung des Immunsystems des Kalbes, sondern ist, vor allem in kühleren Monaten, eine wichtige Energiequelle, um erste Fettreserven zu bilden.
Auch die Bildung des Kolostrums fällt in die letzten Tage der Trächtigkeit. Dieses flüssige Gold legt nicht nur den Grundstein für eine gute Entwicklung des Immunsystems des Kalbes, sondern ist, vor allem in kühleren Monaten, eine wichtige Energiequelle, um erste Fettreserven zu bilden.
Station 3: Milchtränke
Nach der Kolostralmilchgabe folgt mehrere Tage die Transitmilch, nicht mehr Kolostrum, aber auch nicht ganz nur Milch, ehe diese von Milch oder Milchautauscher abgelöst wird. Wie die Milchränke der jungen Kälber organisiert wird, hängt von vielen Faktoren ab: Verfügbare Arbeitskraft am Betrieb, Wege zwischen Kälberstall und Milchgewinnung, Produktionsvorschriften von Verbänden und Milchabnehmern, persönliche Vorlieben und gesteckte Ziele. Die Frage lautet nicht nur: restriktiv, intensiv oder ad libidum, sondern auch: süß, sauer, selber, automatisch, individuell, mit Milk-Bars oder überhaupt bei Mutter- oder Ammenkuh.
Jedes System ist dabei ein Kompromiss zwischen dem optimalem Kälberwachstum und gewinnbringender sowie arbeitssparender und sicherer Aufzucht.
Jedes System ist dabei ein Kompromiss zwischen dem optimalem Kälberwachstum und gewinnbringender sowie arbeitssparender und sicherer Aufzucht.
Station 4: Gruppen und Kälber-Buddys
In die Überlegungen zur Tränke fließt auch die Haltungsform mit ein. Hier spielen Tierschutz- und Verbandsvorschriften oft eine große Rolle, ab welchem Alter Kälber wie gehalten werden. Die Einzelhaltung der Kälber in Box oder Iglu ist für alle Betriebsformen nach acht Wochen zu Ende. Frühere Haltung in Paaren oder Kleingruppen erschwert zwar unter Umständen die individuelle Tierbeobachtung (gefressene Milchmengen, Kotkonsistenz bzw Kotabsatz), aber immer mehr Studien zur gemeinsamen Kälberaufzucht streichen auch die Vorteile hervor: Nicht alleine gehaltene Kälber fressen im Durschnitt mehr, beginnen früher Heu, Müsli und Wasser zu probieren, lernen schneller die Bedienung von z.B. Milchautomaten, Wassertränke usw. und reagieren bei Veränderungen (Futterwechsel, Umstallen) stressresistenter und beginnen sich in neuer Umgebung schneller zurecht zu finden.
Trotzdem ist es für jeden Betrieb wichtig, die Ausnahmen zur Gruppenhaltung zu kennen, da in manchen Fällen ein Tier trotzdem - vorübergehend - alleine gehalten werden muss.
Trotzdem ist es für jeden Betrieb wichtig, die Ausnahmen zur Gruppenhaltung zu kennen, da in manchen Fällen ein Tier trotzdem - vorübergehend - alleine gehalten werden muss.
Station 5: Festes Futter
Ein wichtiges Ziel der Aufzucht ist immer noch am Ende ein funktionierender Wiederkäuer. In den ersten Wochen nach der Geburt befindet sich das Vormagen-System der Kälber aber erst in Entwicklung. In dieser ersten Phase können Energie- und Eiweißbedarf ausschließlich über die Milchtränke gedeckt werden. Der Pansen muss erst an seinen Aufgaben wachsen. Voll funktionsfähig, und damit fähig, den Bedarf des Kalbes über Raufutter zu decken, ist der Pansen, je nach Aufzuchtsform erst mit etwa 12 - 16 Wochen. Die früher gelehrte, extrem-restriktive Milchfütterung mit sehr geringen Milchgaben und früher Entwöhnung zur "Erziehung zum Wiederkäuer" hat dabei in der Praxis den gegenteiligen Effekt. Anstatt, dass sich der Pansen langsam dehnt und die dicke Pansenschleimhaut sich nach und nach aufbauen kann, kann es bei zu früh entwöhnten Kälbern, wegen dem nicht stillbaren (Milch-)Hunger, zu einem Überfressen mit Kälber-TMR oder Kälber-Müsli kommen. Da der Pansen aber noch nicht voll funktionsfähig ist, und damit das Wiederkäuen noch nicht regelmäßig große Mengen an Speichel mit Natriumbicarbonat in den Pansen liefert, kann es hier zur ersten Pansenübersäuerung kommen. Das Kalb frisst dann vorübergehend aufgrund der Bauchschmerzen weniger und erste Energiereserven werden zur Überbrückung genutzt, bis das System Pansen ausreichend funktioniert. Wer hohe Tageszunahmen anstrebt, wird mit dieser Strategie enttäuscht werden.
Wer daran interessiert ist, seinen Kälbern im Milchviehbetrieb den bestmöglichen Start zu bereiten und neue Ideen sowie Erfahrungen aus Forschung und Praxis zu erhalten, der kann einen Vormittag für die eigenen Kälberaufzucht investieren, und zum Seminar "Gesunde Kälber machen Freude" kommen.
Wer daran interessiert ist, seinen Kälbern im Milchviehbetrieb den bestmöglichen Start zu bereiten und neue Ideen sowie Erfahrungen aus Forschung und Praxis zu erhalten, der kann einen Vormittag für die eigenen Kälberaufzucht investieren, und zum Seminar "Gesunde Kälber machen Freude" kommen.
Veranstaltungstipp:
"Gesunde Kälber machen Freude"
- 20.November 2026, GH Thaler, Großotten
- 2. Dezember 2026, GH Kerschbaumer, Waidhofen/Ybbs
- 4. Dezember 2026, GH Schüller, Hainfeld
- 7. Dezember 2026, Berglandhalle, Scheibbs