Heimische Erdäpfel brauchen jetzt kostendeckende Preise
„Viele Bestände weisen nur einen geringen Knollenansatz auf. Die vorhandenen Knollen bleiben aufgrund der Trockenheit und der hohen Temperaturen klein und entwickeln sich kaum weiter. Vor allem in den nicht beregneten Gebieten kommt das Knollenwachstum derzeit nahezu zum Erliegen“, schildert IGE-Obmann Michael Bachl die aktuelle Situation. Besonders angespannt ist die Lage in den trockenen Regionen des Weinviertels.
Während es bei den Frühkartoffeln zuletzt noch Überhänge gegeben hatte, zeichnet sich inzwischen eine Veränderung am Markt ab. Der bisher hohe Vermarktungsdruck nimmt bereits ab. Gleichzeitig geht die IGE davon aus, dass lagerfähige frühe Sorten im weiteren Saisonverlauf noch benötigt werden.
Erzeugerpreise spiegeln Realität auf den Feldern nicht wider
Besonders kritisch sieht die IGE die derzeitige Preisentwicklung. Mit Erzeugerpreisen von lediglich rund 15 bis 20 Euro je Dezitonne liegen die österreichischen Notierungen deutlich unter jenen wichtiger europäischer Vergleichsländer. In Deutschland bewegen sich die Preise aktuell bei 38 bis 44 Euro je Dezitonne. „Diese Preisunterschiede sind angesichts der aktuellen Ertragssituation nicht nachvollziehbar. Die Erzeugerpreise passen weder zur Lage auf den Feldern noch zu den Marktpreisen in den Nachbarländern“, so Bachl.
In den besonders trockenen Gebieten liegen die derzeit erwarteten Rohwarenerträge vielfach lediglich bei rund 15 bis 20 Tonnen je Hektar. Wie stark die Bestände bis zur Ernte noch zulegen können, hängt entscheidend von der weiteren Witterung ab und ist derzeit kaum abschätzbar.
Heimische Versorgung langfristig absichern
Aus Sicht der IGE werden heimische Erdäpfel heuer dringend benötigt. Dafür brauche es jedoch rasch eine entsprechende Marktreaktion. „Die Erzeugerpreise müssen jetzt deutlich anziehen und mindestens bei 30 Euro je Dezitonne liegen. Selbst dieses Niveau ermöglicht vielfach noch keine kostendeckende Produktion. Nach den bereits enttäuschenden Preisen im Vorjahr können sich die heimischen Erdäpfelbetriebe ein weiteres Jahr mit nicht kostendeckenden Preisen nicht leisten. Nur wirtschaftlich tragfähige Erzeugerpreise sichern den heimischen Erdäpfelanbau auch in Zukunft“, betont Bachl.
Die IGE appelliert daher an Handel und Vermarktungspartner, die tatsächliche Situation auf den Feldern in der Preisgestaltung zu berücksichtigen. Nur so könne der Erdäpfelanbau in Österreich langfristig abgesichert und die Versorgung mit heimischer Ware gewährleistet werden.