Heumilch, Herde und Handwerk: Ein Bio-Schafbetrieb in Niederösterreich setzt Maßstäbe
Ein Betrieb, der seinen Weg gefunden hat
In Ybbsitz im Bezirk Scheibbs hat sich ein junger Biobetrieb ganz der Milchschafhaltung verschrieben. Barbara und Jim Plank führen hier einen Hof, der in nur wenigen Jahren zu einem der leistungsstärksten Schafmilchbetriebe Niederösterreichs geworden ist - konsequent ausgerichtet auf Heumilch, Tierwohl und eine enge Partnerschaft mit der verarbeitenden Käserei.
Die Milch ihrer rund 270 Milchschafe geht direkt an die oberösterreichische Klosterkäserei Schlierbach. Dort entstehen Spezialitäten wie Camembert, Topfen und Joghurt. "Wir waren einer der letzten Betriebe, die von der Molkerei aufgenommen wurden. Damals war die Marktsituation sehr angespannt. Sie haben uns auch die Vorgabe gegeben, nur Heumilch zu produzieren", erinnert sich Barbara Plank. Eine Vorgabe, die das Ehepaar auch in der Praxis überzeugen konnte. "Heumilch hat nur Vorteile für uns. Man braucht sich nicht schinden, es riecht gut und wir hatten mit einer Heutrocknung und einer großen Scheune auch die notwendigen Gegebenheiten am Betrieb. Wir würden es heute nicht mehr anders machen", sagt die Betriebsführerin rückblickend.
Von der Praktikantin zum eigenen Hof
Es wird laufend investiert
Bei all diesen Bauprojekten bleibt derzeit das Wohnhaus der beiden noch auf der Strecke. "Wir haben unseren eigenen Bereich und auch notdürftig eine Küche eingerichtet", erklärt Barbara und gibt zu, dass bis jetzt ihre Tiere oberste Priorität hatten. "Wir haben noch keine Kinder", lacht die Betriebsleiterin und stellt dementsprechend ihre Lacaune-Schafe in den Mittelpunkt.
Lacaune-Schafe passten am besten
Das Lacaune-Schaf
- Herkunft: Das Lacaune-Schaf stammt aus der Region Lacaune im Süden Frankreichs und wurde dort gezielt für die Milchproduktion weiterentwickelt. Heute zählt es zu den bedeutendsten Milchschafrassen Europas.
- Nutzung: Es ist eine Zweinutzungsrasse - vergleichbar mit dem Fleckvieh
- Milchleistung: Die Rasse ist für ihre vergleichsweise hohe und stabile Milchleistung bekannt. In spezialisierten Betrieben werden durch gezielte Fütterung und Management mehrere hundert Liter Milch pro Laktation erreicht.
- Besonderheiten:
- robuste Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Haltungsbedingungen
- gute Eignung für intensive wie auch extensive Weidesysteme
- ausgeprägter Mutterinstinkt, dadurch gut handhabbar in der Lammaufzucht
- sehr gut geeignet für die Herstellung von Schafkäseprodukten
- Zucht und Verbreitung: Das Lacaune-Schaf ist heute international verbreitet und bildet die Grundlage vieler moderner Milchschafbetriebe in Europa, insbesondere in Frankreich, Spanien und zunehmend auch im deutschsprachigen Raum.
Lammzeit im Spätsommer
Arbeitsspitze, die es in sich hat
Drei Tage im Jahr auf Urlaub
Konsequente Selektion und gutes Stallmanagement machen sich bezahlt
Auch das beste Schaf Niederösterreichs geht auf das Konto von Barbara. "Es heißt Rehlein, weil es so scheu ist", lächelt die Betriebsleiterin und gibt zu, dass der Großteil ihrer 270 Schafe Namen haben. "Vor allem die Älteren. Es hat eine Zeit gegeben, wo jedes Schaf einen eigenen Namen hatte. Mir würde auch für alle ein Name einfallen. Aber ich muss jedes Jahr welche hergeben. Das fällt mir dann noch schwerer, wenn sie einen Namen haben. Eine Stallnummer haben sie sowieso", erklärt Plank.