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Holunder: Kulturpflanze mit Tradition – Blüten richtig ernten

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13.05.2026 | von Anna Kleinschuster MSc, BSc

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist nicht nur eine weit verbreitete Wildpflanze, sondern auch eine landwirtschaftlich genutzte Kulturpflanze mit langer Tradition. In Österreich wird Holunder seit den 1970er Jahren gezielt erwerbsmäßig kultiviert. Der Anbau hat sich seither stetig weiterentwickelt, insbesondere zur Erzeugung von Rohstoffen für die Lebensmittelverarbeitung. Im Erwerbsanbau liegt der klare Schwerpunkt auf der Ernte der Holunderbeeren, die zu Saft, Konzentrat oder anderen Produkten verarbeitet werden. Nur ein vergleichsweiser geringer Teil der Flächen wird gezielt für die Blütenernte genutzt. Im Erwerbsobstbau gelten für Holunder strenge Qualitätskriterien. Doch auch im Hausgarten und beim Sammeln von wild wachsendem Holunder für den Eigengebrauch ist sorgfältiges Vorgehen wichtig. Besonders bei den Blüten kommt es auf den richtigen Erntezeitpunkt und eine möglichst rasche Verarbeitung an.

Holunderanlage.jpg © LK Steiermark
Holunderanlage © LK Steiermark

Holunder – robust, vielseitig und ökologisch wertvoll

Der Schwarze Holunder hat sehr hohe Ansprüche an den Boden und an eine gleichmäßige Wasserversorgung. Dieses mehrjährige Gehölz wird nicht nur kultiviert, sondern kommt auch sehr verbreitet natürlich vor. Die Pflanzen haben keine besonders hohen Klimaansprüche, wenngleich übermäßige Hitze, sehr intensive Sonneneinstrahlung und Trockenheit nur schlecht vertragen werden. Auf den zahlreichen halbschattigen, tiefgründigen Standorten ist Holunder jedoch weit verbreitet und zeichnet sich durch eine hohe ökologische Bedeutung aus. Seine Blüten bieten unterschiedlichsten Insekten Nahrung, die Beeren dienen später vielen Vogelarten als Futter.
 
Im landwirtschaftlichen Anbau werden überwiegend ertragreiche Sorten mit großen Dolden verwendet, die eine gleichmäßige Fruchtreife zeigen und einen hohen Gehalt an den wertvollen Inhaltsstoffen aufweisen. Die Holunderernte, sowohl Blüten als auch Beeren, wird auch im Erwerbsobstbau ausschließlich per Hand durchgeführt und es gelten strenge Qualitätskriterien. In den Erwerbsholunderanlagen wird die Blüteernte oft als Ausdünnmaßnahme durchgeführt. Der Baum soll damit entlastet, das Ausrieseln verringert und die Doldenbildung verbessert werden. Nur in wenigen Erwerbsholunderanlagen wird 100% Blüte abgeerntet  
 
Holunderdolde.jpg © LK Steiermark
Holunderdolde © LK Steiermark

Blütezeit des Holunders

Der Schwarze Holunder blüht in Österreich je nach Witterung und Lage von Mitte Mai bis Mitte Juni, in höheren Lagen teils auch bis Ende Juni. Die Blüte erfolgt nicht gleichzeitig an allen Dolden eines Strauches, sondern staffelweise über mehrere Tage.
Wenn 80 – 90 % der Einzelblüten einer Dolde geöffnet sind, ist der Gehalt an Aromastoffen und Blütenstaub am höchsten, was sowohl im Erwerbsanbau als auch beim Sammeln für den Eigengebrauch die beste Qualität garantiert.
 

Der richtige Zeitpunkt für die Blütenernte

Für den Eigengebrauch ist der Erntezeitpunkt entscheidend. Holunderblüten sollten geerntet werden, wenn:
  • Ein Großteil der Einzelblüten einer Dolde offen sind
  • die Blüten frisch, hell und intensiv duftend wirken,
  • noch keine Verfärbungen oder welkenden Einzelblüten sichtbar sind.
Ideal ist die Ernte:
  • an trockenen, sonnigen Tagen
  • am späten Vormittag, nachdem der Morgentau abgetrocknet ist.
 
Bei Regen, oder am ersten Tag nach einem Regen, sollte nicht geerntet werden, da wichtige Aromastoffe und der Blütenstaub ausgewaschen sein können.
 
Holunderblütenernte.jpg © LK Steiermark

So werden Holunderblüten richtig geerntet


  • Ganze Blütendolden vorsichtig abschneiden
  • Nur gesunde, saubere Blüten möglichst ohne Schädlingsbefall (Läuse, Thripse, …) verwenden
  • Einen Korb zum Sammeln verwenden – in Plastiksäcken beginnen die Blüten zu schwitzen und verderben schnell
  • Möglichst abseits von Straßen und intensiv genutzten Flächen (Staub, ...) ernten
 
Wichtig: Die Blüten sollten nicht gewaschen werden, da dabei wertvolle Aromastoffe verloren gehen. Kleine Insekten werden vorsichtig abgeschüttelt.
 
 

Holunderblüten für den Eigengebrauch – das Wichtigste auf einen Blick


✅ Nur Dolden ernten, bei denen 80 – 90 % der Einzelblüten aufgeblüht sind
✅ Trockenes Wetter und abgetrockneter Tau sind Voraussetzung
✅ Blüten nicht waschen, sondern vorsichtig ausschütteln
❗ Holunderblüten sind nicht lagerfähig
❗ Noch am Tag der Ernte verarbeiten, da Aroma rasch verloren geht
✅ Geeignet für Sirup, Hollerküchlein, Gelee oder andere frische Zubereitungen
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