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Wenn der Regen ausbleibt, reden plötzlich alle übers Wetter

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21.07.2026 | von Eva Lechner

Der Ackerboden knirscht unter den Schuhen und überall wartet man auf den heiß ersehnten Regen. Die Ernte ist vielerorts bereits weit fortgeschritten – nicht, weil alles so gut gereift wäre, sondern weil Hitze und Trockenheit den Pflanzen kaum eine andere Wahl gelassen haben.

Trockenheit © bibiphoto/AdobeStock
© bibiphoto/AdobeStock

Was es mit der Trockenheit auf sich hat

Viele Konsument:innen fragen sich derzeit: Es hat doch zwischendurch geregnet. Warum sind die Erträge trotzdem so schlecht? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Stellen wir uns vor, ein Marathonläufer bekommt nach 35 Kilometern endlich etwas zu trinken. Das hilft zwar kurzfristig, ersetzt aber nicht die Flüssigkeit, die ihm auf den ersten 35 Kilometern gefehlt hat. Genau so geht es vielen Kulturpflanzen. Seit Beginn der Vegetation blieb der Niederschlag in vielen Regionen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die wenigen Regenereignisse Ende Mai oder Anfang Juni sorgten zwar kurzzeitig für Hoffnung, konnten den Wassermangel im Boden aber nicht nachhaltig ausgleichen. Gleichzeitig beschleunigten Temperaturen weit über 30 Grad die Entwicklung der Pflanzen. Die Körner bleiben kleiner, weil ihnen schlicht Zeit und Wasser fehlen, um ausreichend Stärke einzulagern.

Situation auf den Punkt gebracht

Die Trockenheit trifft unsere Betriebe in einer ohnehin wirtschaftlich äußerst angespannten Situation. Seit Jahren steigen die Produktionskosten für Treibstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel enorm, während die Erzeugerpreise auf niedrigem Niveau bleiben. Durch die Ertragseinbußen verschärft sich die Situation zusätzlich.

Nicht jede Kultur leidet gleich

Wie stark Trockenheit zuschlägt, hängt davon ab, wann eine Kultur ihren größten Wasserbedarf hat. Wintergerste war bereits vergleichsweise weit entwickelt und kam deshalb noch am glimpflichsten davon. Anders sieht es bei Weizen, Roggen oder Sommergerste aus. Hier trifft die Hitze genau jene Phase, in der sich die Körner ausbilden. Die Folge: kleinere Körner, geringere Erträge.

Noch größer ist die Unsicherheit bei den Herbstkulturen. Mais ist besonders in der Blüte auf eine gute Wasserversorgung angewiesen. Fehlt in dieser Phase Wasser, leidet die Befruchtung der Kolben. Besonders auf den trockenen Standorten im Osten stellt sich inzwischen die Frage, ob jeder Bestand überhaupt ausreichend Wasser für eine vollständige Kolbenbildung zur Verfügung hatte.

Auch Ölkürbis, Zuckerrüben und Kartoffeln zeigen deutliche Stresssymptome. Manche Bestände wachsen kaum noch weiter.

2023 Abenddämmerung Ernte © Graf Anna Wilfersdorf.jpg © Anna Graf/BBK MI
© Anna Graf/BBK MI

Getreideland "Niederösterreich"

Rund 65 Prozent der österreichischen Weizenfläche liegen im pannonischen Raum Niederösterreichs und des Burgenlands. Allein die vier Weinviertler Bezirke verfügen über beinahe so viel Ackerfläche wie ganz Oberösterreich. Wenn hier die Erträge sinken, betrifft das deshalb nicht nur einzelne Betriebe, sondern einen wesentlichen Teil der heimischen Lebensmittelproduktion.

"Dann steigen wenigstens die Preise." Leider nein.

Diesen Satz hören viele Bäuerinnen und Bauern derzeit. Er klingt logisch – stimmt aber meist nicht. Der Getreidepreis orientiert sich am internationalen Markt. Fällt die Ernte in Niederösterreich kleiner aus, bedeutet das nicht automatisch höhere Erlöse. Gleichzeitig bleiben Diesel, Dünger, Pflanzenschutz oder Maschinen teuer. Oder anders gesagt: Es werden weniger Tonnen verkauft – zu Preisen, die vielfach nicht mit den gestiegenen Produktionskosten mithalten.

Ein Beispiel macht es greifbar:

Von einer verkauften Semmel bleibt derzeit im Durchschnitt rund ein Cent bei den Bäuerinnen und Bauern. Damit die heimische Lebensmittelproduktion langfristig abgesichert werden kann, wären zumindest zwei Cent notwendig.

Wenn unsere Tiere ins Schwitzen kommen

Was viele nicht wissen: Nicht nur Menschen leiden unter der Hitze. Auch Rinder, Schweine, Schafe oder Geflügel geraten bei hohen Temperaturen an ihre Belastungsgrenze. Für Bäuerinnen und Bauern bedeutet eine Hitzewelle deshalb vor allem eines: noch mehr Aufmerksamkeit. Ventilatoren laufen oft rund um die Uhr, Stallöffnungen werden optimal genutzt, damit jeder Luftzug den Tieren Erleichterung verschafft, und die Wasserversorgung wird laufend kontrolliert. Manche Betriebe setzen zusätzlich auf Beregnungs- oder Kühlsysteme, andere verlegen Arbeiten bewusst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden, um Mensch und Tier zu entlasten. Hitze bedeutet auf landwirtschaftlichen Betrieben also nicht Stillstand, sondern meist sogar mehr Arbeit. Denn das Wohl der Tiere steht an erster Stelle – auch dann, wenn das Thermometer längst die 30-Grad-Marke überschritten hat.

Argumente für das nächste Gespräch

Wer mit Konsument:innen ins Gespräch kommt, muss keine langen Vorträge halten. Oft reichen wenige Fakten.

"Es hat doch geregnet."
Ja – aber meist nur punktuell. Viele Regionen gingen nahezu leer aus, während die Pflanzen den Regen genau in ihrer Hauptwachstumsphase gebraucht hätten.

"Warum wird schon so früh geerntet?"
Nicht weil alles früher reif geworden ist, sondern weil Hitze und Wassermangel eine Notreife ausgelöst haben.

"Kann man nicht einfach bewässern?"
Im Gemüse- oder Obstbau ist das teilweise möglich. Auf tausenden Hektar Ackerland wäre das technisch, wirtschaftlich und wasserwirtschaftlich meist nicht umsetzbar. Deshalb braucht es langfristige Investitionen in eine nachhaltige Bewässerungsinfrastruktur dort, wo sie sinnvoll ist.

"Warum trifft euch das wirtschaftlich so stark?"
Weil weniger Ertrag nicht automatisch höhere Preise bedeutet. Die Kosten steigen seit Jahren, die Erlöse bleiben vielfach niedrig.

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