Biodiversity Cropping: Wenn Vielfalt im Acker neue Wege eröffnet
Forschungsfarm in Groß-Enzersdorf soll neue Erkenntnisse liefern
Ein Acker, der nicht nur Ertrag liefert, sondern auch summt, lebt und den Boden stärkt: Genau hier setzt Biodiversity Cropping an. Im gleichnamigen Projekt der BOKU Wien, das unter anderem auf der Forschungsfarm in Groß-Enzersdorf umgesetzt wird, wird getestet, wie mehr pflanzliche Vielfalt im Ackerbau Erträge stabilisieren, Böden verbessern und die Biodiversität fördern kann – praxisnah und mit Blick auf die Herausforderungen der Landwirtschaft von morgen.
Mehr als nur eine Kulturpflanze
Im klassischen Ackerbau dominiert meist eine Kultur pro Fläche. Biodiversity Cropping denkt weiter: Begleitpflanzen, etwa Leguminosen oder blühende Arten, werden gezielt gemeinsam mit Hauptkulturen angebaut. Das Ziel ist ein funktionierendes Pflanzensystem, in dem sich die Kulturen gegenseitig unterstützen.
Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, bringt mehrere Vorteile: Unterschiedliche Wurzeltiefen lockern den Boden, Blühpflanzen fördern Nützlinge und Leguminosen binden Stickstoff – ein Plus für Bodenfruchtbarkeit und Pflanzengesundheit.
Forschung mit Blick auf die Praxis
Im BOKU-Projekt wird genau untersucht, welche Pflanzenkombinationen sich bewähren, wie sie sich auf Ertrag, Bodenleben und Unkrautdruck auswirken und welche Effekte langfristig sichtbar werden. Dabei geht es nicht um theoretische Idealbilder, sondern um umsetzbare Ansätze für landwirtschaftliche Betriebe.
Die Versuchsflächen liefern wertvolle Daten: Wie verändert sich der Humusgehalt? Welche Rolle spielt die Vielfalt für die Wasserspeicherung? Und wie reagieren Bestäuber und Bodenorganismen? Antworten darauf sind besonders für Niederösterreich relevant, wo Trockenperioden und Witterungsextreme zunehmen.
Ein lebendiger Acker als Zukunftsmodell
Ein vielfältiger Acker ist nicht nur ökologisch interessant, sondern auch betriebswirtschaftlich spannend. Stabilere Erträge, resilientere Bestände und ein gesünderer Boden können helfen, Risiken abzufedern. Gleichzeitig wächst das gesellschaftliche Interesse an biodiversitätsfördernden Maßnahmen in der Landwirtschaft.
Biodiversity Cropping zeigt, dass Produktivität und Vielfalt kein Widerspruch sein müssen – sondern sich ergänzen können, wenn Systeme gut geplant und standortgerecht umgesetzt werden.
Impulse für Niederösterreichs Betriebe
Für Bäuerinnen und Bauern in Niederösterreich bietet das Projekt wichtige Impulse: neue Ideen für Fruchtfolgen, zusätzliche Werkzeuge für den Bodenschutz und konkrete Ansätze, um Biodiversität aktiv in den Betriebsalltag zu integrieren. Die Ergebnisse fließen laufend in Beratung, Fachveranstaltungen und Wissensaustausch ein.