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28.05.2026 | von Ing Thomas Mang

Welche gängigen Dieselkraftstoffe es in Österreich gibt und was sie leisten können? Hier erfahren Sie mehr.

Landwirt mit Zapfhahn.jpg © scharfsinn86/stock.adobe.com
Bei Biodiesel ist bei der Lagerung besonders auf Sauberkeit, Temperatur und Sonnestrahlung zu achten. © scharfsinn86/stock.adobe.com
Dieselkraftstoff ist einer der bedeutendsten Energieträger in der Landwirtschaft. Neben der hohen Energiedichte spielen vor allem Zündverhalten, Kältebetriebsfestigkeit und Mischungskomponenten eine entscheidende Rolle. In Zeiten von hohen Treibstoffpreisen können sie sich mit den folgenden Infos für die arbeitsreichen Monate vorbereiten.

Was sagt die Norm?

In der ÖNORM EN 590 sind sowohl die Cetanzahl als auch die Wintertauglichkeit von Dieselkraftstoffen geregelt. Die Cetanzahl ist mit mindestens 51 festgelegt. Je höher sie ist, desto zündwilliger verhält sich der Kraftstoff. Dadurch verläuft die Verbrennung im Motor weniger schlagartig, was zu einem ruhigeren Motorlauf führt und zugleich das Kaltstartverhalten verbessert.

Kältebeständigkeit ist entscheidend

Bei Standarddieselkraftstoffen kann es bereits bei Temperaturen unter +8 °C zur Auskristallisation von Paraffin kommen. Aus diesem Grund werden unterschiedliche Winterqualitäten angeboten. Die Mineralölhersteller sind auf Basis der Norm verpflichtet, rechtzeitig kältebeständigen Dieselkraftstoff bereitzustellen.
 
Die Kältebeständigkeit wird durch den CFPP-Wert (Cold Filter Plugging Point) beschrieben. Dieser gibt jene Temperatur an, bei der ein Filter durch Paraffinausscheidungen vollständig verstopft. Die Auskristallisation selbst kann jedoch wie vorhin bereits genannt, früher einsetzen und wird durch den sogenannten CP-Wert (Cloud Point) gekennzeichnet. Dieser liegt je nach Dieselkraftstoff ca. 3 bis 10°C über dem CFPP.

Bei Fahrzeugen ohne Filterheizung oder Kraftstoffvorwärmung können also schon bei +5°C Probleme im Winterbetrieb entstehen. Ist Paraffin bereits ausgeschieden, lässt sich die Fließfähigkeit des Kraftstoffs nur durch Erwärmung wiederherstellen, etwa durch Abstellen des Fahrzeugs in einer beheizten Garage. Der Einsatz von Fließverbesserern ist nur vorbeugend sinnvoll, da diese bei Temperaturen von mindestens etwa +10°C zugesetzt und ordentlich eingemischt werden sollten. Zudem ist vor der Anwendung die Verträglichkeit mit modernen Hochdruckeinspritzsystemen zu prüfen.

Für Standard-Dieselkraftstoff gilt folgende Kältebetriebsfestigkeit

Kraftstoff Einsatzzeitraum Kältebeständigkeit
Sommerdiesel 01.04. – 30.09. CFPP +5 °C
Winterdiesel, Qualität 1 01.10. – 31.10. CFPP 0 °C
Winterdiesel, Qualität 2 01.11. – 28.02. CFPP −20 °C
Winterdiesel, Qualität 3 01.03. – 30.03. CFPP −15 °C
Dieselkraftstoff behaltet nicht nur mineralischen Diesel, sondern auch noch andere Mischungskomponenten wie FAME oder HVO und auch meist hochwertige Additive. Seit 2009 werden bei Standard-Dieselkraftstoffe bis zu 7% FAME hinzugefügt. Bei Premiumkraftstoffen wird hingegen zu HVO gegriffen.

Was ist FAME?

FAME wird umgangssprachlich als Biodiesel bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung lautet Fettsäuremethylester (engl.: fatty acid metyl ester). Dieser FAME wird durch die Umesterung von Pflanzenölen erzeugt, um annähernd die physikalischen Eigenschaften von mineralischem Dieselkraftstoff zu erhalten. FAME weist einen geringeren volumetrischen Heizwert von 32,6 MJ/l gegenüber mineralischem Dieselkraftstoff B0 (35,7MJ/l) auf. Der Verbrennungsmotor muss mehr Kraftstoff verbrauchen, um die gleiche Leistung zu erreichen.
 
Bei Biodiesel ist bei der Lagerung besonders auf Sauberkeit, Temperatur und Sonneinstrahlung zu achten. FAME ist ebenso hygroskopisch (wasseranziehend) und darf daher max. 12 Monate gelagert werden. Bei unsachgemäßer Lagerung kann ein Bakterienbefall auftreten (Dieselpest).

Was ist HVO?

Hydriertes Pflanzenöl (hydrotreated vegetable oil) zählt zu den synthetischen Kraftstoffen und wird aus Pflanzenöl aber auch pflanzlichen und tierischen Fetten bzw. Reststoffen gewonnen. HVO-Diesel ist ein sehr hochwertiger Kraftstoff welcher als CO2-neutral gilt, wenn dieser mit erneuerbaren Energien hergestellt wird. HVO wird seit 2023 in Österreich als HVO 100 in reiner Form vertrieben.
 
Eigenschaften von HVO-Diesel:
  • Farbe: weiß
  • Geruch: neutral, eher geruchlos
  • sehr gute Lagereigenschaften (5 Jahre)
  • sehr hohe Cetanzahl >70 (optimale Verbrennung im Motor bewirkt ruhigeren Motorlauf)
  • CO2-Minderung: 90% weniger gegenüber Dieselkraftstoff
  • frei von Schwefel und Aromaten, deutlich geringerer Stickoxid-(NOx) und Partikelausstoß
  • Abgasnachbehandlung wird weniger beansprucht, Regeneration des Partikelfilters und AdBlue Verbrauch nehmen ab
  • CFPP ca. -25°C
  • Heizwert 44MJ/kg
  • Dichte 0,78kg/l daraus erfolgt 34,3MJ/l (etwas geringer als Standard-Dieselkraftstoff 35,2MJ/l)
Für den Betrieb eines Dieselmotors mit HVO, muss dieser nicht umgerüstet werden. Es muss jedoch geprüft werden, ob vom Hersteller des Motors eine Freigabe vorhanden ist!

Gängige Dieselkraftstoffsorten in Österreich

Grundsätzlich werden in Österreich 3 Arten von Dieselkraftstoffen angeboten.
 
B7-Dieselkraftstoffe „Standard“:
  • Farbe: meist eher gelb
  • Geruch: fettig
  • der Bio Anteil wird durch die Beimischung von Biodiesel (FAME) erreicht
  • der „B7 Diesel“ sollte nach spätestens 12 Monate verbraucht sein. (Biodiesel nimmt Wasser auf, der Kraftstoff kann die „Dieselpest“ entwickeln)
  • Cetanzahl (min. 51)
  • CFPP max. -20°C (je nach Zeitraum)
  • auf Sauberkeit des Lagerbehälters ist zu achten

B0-Dieselkraftstoffe „Spezial“:
  • Farbe: hellgelb bis weiß
  • Geruch: neutral
  • kein Bio Anteil
  • gute Lagerfähigkeit (max. 5 Jahre, nimmt kein Wasser auf)
  • höhere Cetanzahl (min. 52)
  • CFPP max. -30°C (je nach Zeitraum)

B7-Dieselkraftstoffe mit HVO Anteil „Premium“:
  • Farbe: eher weiß
  • Geruch: neutral
  • der Bio Anteil wird durch die Beimischung von HVO erreicht
  • HVO = hydrated vegetable oil = hydriertes Pflanzenöl
  • gute Lagerfähigkeit (max. 5 Jahre, nimmt kein Wasser auf)
  • höhere Cetanzahl (min. 55)
  • CFPP -35°C ganzjährig
  • meist hochwertige Additive beigemengt

Praxistipp

Fahrzeuge welche saisonal (Mähdrescher, Feldhäcksler) oder in Notfällen (Notstromaggregat) betrieben werden, sollten vor längeren Stillstandszeiten mit Kraftstoff betankt werden, welcher keinen FAME-Anteil aufweist.

Kontakt

  • Thomas Mang
    Ing. Thomas Mang
    thomas.mang@lk-noe.at
    T 05 0259 29214
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Bei Biodiesel ist bei der Lagerung besonders auf Sauberkeit, Temperatur und Sonnestrahlung zu achten. © scharfsinn86/stock.adobe.com