Hohe Kosten und neue Auflagen erfordern klare politische Entlastungsschritte
Vollversammlung im Zeichen agrarpolitischer Zukunftsthemen
Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich am 27. April stand im Zeichen zentraler agrarpolitischer Zukunftsthemen – von der Entlastung bei Betriebsmittelkosten über praxistaugliche Pflanzenschutzregelungen bis zur Weiterentwicklung der Herkunftskennzeichnung. Ein weiterer Schwerpunkt war die Präsentation der „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau in Niederösterreich“. „Die weltpolitische Lage ist angespannt und ihre gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen sind in der Landwirtschaft noch längst nicht vollständig angekommen. Umso wichtiger ist es jetzt, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe abzusichern“, erklärt Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager.
Marktfruchtbau steht am Wendepunkt
Ein zentraler Schwerpunkt der Vollversammlung lag auf der wirtschaftlichen Situation im Marktfruchtbau. Steigende Produktionskosten bei Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln treffen zunehmend auf sinkende Erlöse bei wichtigen Ackerkulturen. Damit öffnet sich die Preisschere weiter und stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen. „Im Marktfruchtbau zeigt sich besonders deutlich, wie stark Kostensteigerungen und volatile Märkte auf die Betriebe wirken. Deshalb braucht es jetzt klare politische Rahmenbedingungen und eine konsequente Umsetzung der Zukunftsstrategie Marktfruchtbau“, betont Schmuckenschlager. Im Rahmen eines breit angelegten Strategieprozesses der Landwirtschaftskammer Niederösterreich wurden dazu konkrete Handlungsansätze erarbeitet – von kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen bis hin zu langfristigen Anpassungen auf Betriebs- und Beratungsebene. Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität der Ackerbaubetriebe nachhaltig zu sichern, erklärt der Kammerpräsident: „Einzelmaßnahmen reichen nicht aus. Es braucht ein Zusammenspiel aus politischen Rahmenbedingungen, betrieblicher Weiterentwicklung und gezielter Beratung, damit der Marktfruchtbau in Niederösterreich langfristig tragfähig bleibt.“
Landwirtschaft steht vor einem herausfordernden Jahr
Die Land- und Forstwirtschaft sieht sich aktuell mit steigenden Produktionskosten, zunehmenden Klimarisiken und neuen regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Die derzeitige Trockenheit verschärft die Situation zusätzlich und zeigt die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in Wasserinfrastruktur sowie funktionierender Risikoinstrumente wie Dürreversicherungen. „Trockenheit und Extremwetter sind Realität. Maßnahmen wie Bewässerung und Absicherungssysteme müssen konsequent weiterentwickelt werden“, so Schmuckenschlager. Die gleichzeitig steigende Waldbrandgefahr unterstreicht auch im Forstbereich den Handlungsbedarf bei Prävention und Vorsorgemaßnahmen.
Weiterführung der Entlastung beim Agrardiesel ist wichtiger Schritt
Der Nahostkonflikt und die Sperre der Straße von Hormus haben globale Lieferketten bei Öl, Gas und Düngemitteln unterbrochen und zu massiven Preissteigerungen geführt. Gleichzeitig ist die steuerliche Entlastung beim Agrardiesel Ende 2025 ausgelaufen. Österreich liegt damit bereits jetzt im EU-Vergleich im oberen Belastungsbereich. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat daher die Beibehaltung des Agrardiesels als Ausgleich für die hohen Betriebsmittelkosten stets konsequent gefordert. Dass man sich grundsätzlich darauf in den gestrigen Budgetverhandlungen für die Jahre 2027 und 2028 einigen konnte, ist ein wichtiger Schritt. „Gerade in der aktuellen Situation dürfen unsere Betriebe nicht zusätzlich belastet werden. Der Agrardiesel ist wichtig, um Wettbewerbsnachteile der österreichischen Bäuerinnen und Bauern zu vermeiden“, sagt Schmuckenschlager.
CBAM-Zölle auf Düngemittel aussetzen
Durch den geplanten CO₂-Grenzausgleich für Düngemittel (CBAM) drohen zusätzliche Kosten für landwirtschaftliche Betriebe. Diese würden die ohnehin hohen Betriebsmittelpreise weiter verschärfen. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert daher ein Aussetzen der Regelung. Auch die EU-Kommission hat die Notwendigkeit einer Entlastung bei den Betriebsmittelkosten, insbesondere bei Dünger, erkannt und angekündigt, bis 19. Mai einen diesbezüglichen Aktionsplan vorzulegen.
Pflanzenschutz: Aufzeichnungspflichten müssen praxistauglich sein
Seit 1. Jänner 2026 gelten erweiterte Aufzeichnungspflichten im Pflanzenschutz. Diese enthalten nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich teilweise Inhalte ohne praktischen Mehrwert und sind derzeit im Vollzug nicht umsetzbar. „Neue Dokumentationspflichten dürfen nicht zu zusätzlicher Bürokratie ohne Nutzen führen. Die Regelungen müssen praxistauglich sein“, so Schmuckenschlager und fordert eine Anpassung der EU-Vorgaben sowie die Aussetzung nicht praxistauglicher Dokumentationsanforderungen.
Herkunftskennzeichnung konsequent weiterentwickeln
Die Herkunft von Lebensmitteln ist ein zentraler Baustein für regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert daher eine konsequente Weiterentwicklung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung entlang aller Vermarktungswege sowie eine stärkere Nutzung des AMA-Gütesiegels. Im Zuge der Evaluierung der Gemeinschaftsverpflegungs-Verordnung 2026 müsse insbesondere deren praktische Umsetzbarkeit überprüft und weiterentwickelt werden. Schmuckenschlager betont: „Die Evaluierung muss eine echte Weiterentwicklung der Herkunftskennzeichnung bringen und die Transparenz entlang der gesamten Versorgungskette stärken.“
Über die Vollversammlung der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer
Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium der Vertretung der Landwirtschaft in Niederösterreich. Sie besteht aus 40 Mitgliedern, die gleichzeitig als Landeskammerräte Funktionen ausüben. Die Vollversammlung dient der Beratung und Beschlussfassung aller Angelegenheiten der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer, soweit nicht der Hauptausschuss oder der Präsident zuständig sind.