Preissturz am Schweinemarkt: Preisverfall bringt Betriebe an den Rand ihrer wirtschaftlichen Belastungsgrenze
"Unsere Schweinehalter:innen stehen bereits mehreren Monaten unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Dass sich die Situation nun neuerlich verschärft, trifft die Betriebe in einer Phase, in der viele ohnehin schon mit den Folgen der Dürre zu kämpfen haben und notwendige Investitionen anstehen“, erklärt LK-OÖ-Präsident Franz Waldenberger.
Fehlender wirtschaftlicher Spielraum gefährdet notwendige Investitionen
Besonders schwer wiegt der Preisverfall, weil viele Schweinehalter:innen derzeit vor entscheidenden Investitionen stehen. Neue gesetzliche Vorgaben erfordern Stallumbauten und Modernisierungen, hinter denen die Betriebe grundsätzlich stehen. Bis 2034 müssen die österreichischen Schweinehalter:innen enorme Investitionen zwischen 500.000 Euro und 2 Mio. Euro je Familienbetrieb stemmen, um gesetzliche Haltungsstandards zu erfüllen. "Wer in zeitgemäße Stallungen investieren will, muss zuvor die Möglichkeit haben, Eigenkapital aufzubauen. Bei einem Schweinepreis auf diesem Niveau ist das schlicht nicht machbar“, so Waldenberger.
Österreichs Schweinebäuerinnen und -bauern brauchen besondere Unterstützung
Die Landwirtschaftskammer fordert daher ein Investitionsförderprogramm mit deutlich angehobenen förderbaren Investitionssummen und einem spürbar erhöhten Fördersatz bis 2034. Ohne diese Unterstützung gerät die heimische Eigenversorgung entlang der bäuerlichen Produktionskette in Gefahr. Zudem bekräftigt die Landwirtschaftskammer ihre Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Fleisch und Fleischprodukte in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. "Österreichische Schweinebäuerinnen und Schweinebauern erfüllen hohe Standards bei Tierwohl, Umwelt- und Lebensmittelsicherheit. Diese Leistung muss auch bei anhaltendem Preisdruck entsprechend abgegolten werden“, so Waldenberger.
Zweiter herber Rückschlag binnen weniger Monate
Bereits im Juni war der Schweinepreis innerhalb weniger Wochen um 14 Cent/kg Schlachtgewicht gefallen. Nach nur kurzer, minimaler Verbesserung erlitt er nun mit -12 Cent einen weiteren deutlichen Dämpfer. Das Angebot an schlachtreifen Schweinen nimmt europaweit derzeit spürbar zu, während sich die Exportsituation zunehmend schwieriger gestaltet. Der vor einigen Wochen erhoffte Warenfluss nach Asien ist bis dato ausgeblieben, heimische Schlachtbetriebe klagen über wachsende Probleme beim Absatz ihrer Ware. Erschwerend müssen die Betriebe dabei auch die gestiegenen Kosten in ihrer Kalkulation berücksichtigen.
Druck zieht sich bis zur Ferkelerzeugung durch
Die schlechte Wirtschaftlichkeit aus niedrigen Preisen und gestiegenen Futterkosten lässt die Einstellbereitschaft der Mäster:innen zunehmend zögerlich werden. Damit zieht der niedrige Mastschweinepreis seine Spur bis in die Ferkelerzeugerstufe, da die gedämpfte Nachfrage der Mäster:innen auch auf die Ferkelpreise drückt. In der spezialisierten Ferkelerzeugung ist die Wirtschaftlichkeit im laufenden Jahr ohnehin bereits weit unterdurchschnittlich.