Flugkraftstoff aus Paradeisern?
Kreislaufwirtschaft der etwas anderen Art
Reststoffe aus der Landwirtschaft könnten künftig eine deutlich größere Rolle spielen als bisher – auch außerhalb der klassischen Verwertungsketten. Gerade in der intensiven Gemüseproduktion fallen erhebliche Mengen an Reststoffen an. Im Gewächshausanbau betrifft das vor allem Blätter, Stängel und Blüten, in der Verarbeitung zusätzlich Schalen, Samen sowie nicht marktfähige Früchte. Diese Biomasse wird derzeit überwiegend kompostiert, energetisch verwertet oder entsorgt.
Das EU-Projekt „ToFuel“ setzt genau hier an: Ziel ist es, diese Nebenprodukte in einer Bioraffinerie zu hochwertigen Rohstoffen für die Treibstoffproduktion weiterzuverarbeiten – konkret zu nachhaltigem Flugtreibstoff.
Das EU-Projekt „ToFuel“ setzt genau hier an: Ziel ist es, diese Nebenprodukte in einer Bioraffinerie zu hochwertigen Rohstoffen für die Treibstoffproduktion weiterzuverarbeiten – konkret zu nachhaltigem Flugtreibstoff.
Zukunftschance für Bäuerinnen und Bauern
Für Niederösterreichs Bäuerinnen und Bauern ergeben sich daraus interessante Perspektiven:
Zusätzliche Einnahmequellen durch den Verkauf von Ernteresten oder Verarbeitungsabfällen
Bessere Wertschöpfung aus bestehenden Produktionssystemen
Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
Stärkung der Rolle der Landwirtschaft als Rohstofflieferant für Industrie und Energiewende
Gerade im geschützten Anbau und bei intensiver Gemüseproduktion könnten solche Konzepte künftig eine wichtige Ergänzung darstellen.
Zeithorizont und weitere Details
Im Projekt werden zwei unterschiedliche Verfahren getestet. Am Projekt beteiligt sind elf Partner aus sieben europäischen Ländern, darunter Universitäten, Forschungsinstitute und Industrieunternehmen aus der Tomatenverarbeitung. Parallel zur technischen Entwicklung werden auch ökologische, ökonomische und soziale Auswirkungen untersucht.
Der Zeithorizont ist klar definiert: In den kommenden vier Jahren sollen die Verfahren erprobt und schrittweise auf größere Maßstäbe übertragen werden.
Großes Potential
Nach Schätzungen der Projektpartner könnten bis zu drei Prozent des in Europa bis 2030 benötigten nachhaltigen Flugtreibstoffs allein aus Rückständen der Tomatenverarbeitung stammen. Das verdeutlicht das Mengenpotenzial – auch wenn eine breite Umsetzung noch Zukunftsmusik ist.
Ein möglicher Markt der Zukunft
Auch wenn es sich noch um ein Forschungsprojekt handelt, zeigt „ToFuel“ eine klare Richtung: Die Landwirtschaft könnte künftig stärker als Rohstofflieferant für neue, nicht-lebensmittelbezogene Märkte gefragt sein. Für Betriebe kann das langfristig zusätzliche Standbeine eröffnen – vorausgesetzt, die Konzepte lassen sich wirtschaftlich und logistisch sinnvoll umsetzen.