Leptospirose bei Rindern: Wie groß ist das Risiko wirklich?
Häufig unbemerkte Infektionen
Bei akuten Verläufen zeigen die Tiere gelegentlich Fieber, Mattigkeit, Gelbsucht oder Blutarmut. Problematisch sind insbesondere chronisch infizierte Tiere: Sie scheiden die Erreger über längere Zeit aus, ohne klinisch krank zu erscheinen, und stellen damit ein erhebliches Risiko für die gesamte Herde dar.
Da Leptospirose sowohl für Tiere als auch für den Menschen relevant ist, ist Wissen über die regionale Verbreitung des Erregers entscheidend.
Was ist Leptospirose?
Rinder können sich über direkten Kontakt mit erregerhaltigem Urin oder z.B. über kontaminierte Wasserstellen oder feuchte Weideflächen infizieren, wobei kleine Verletzungen der Haut oder Kontakt mit den Schleimhäuten den Bakterien als Eintrittspforte ausreichen.
Untersuchung zur Verbreitung in Österreich
Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede: In Niederösterreich wurden in etwa 5% der Proben Antikörper nachgewiesen. Hohe Antikörpertiter, die auf eine frische Infektion hindeuten können, waren selten. Die meisten positiven Proben stammten aus Regionen mit hoher Rinderdichte, etwa dem Most- und Waldviertel.
In Vorarlberg hingegen waren rund 64% der untersuchten Tiere positiv. Zudem wurde hier häufig ein hoher Antikörpertiter festgestellt, was auf ein aktives Infektionsgeschehen schließen lässt.
Einfluss von Haltung und Management
- Alpung: Rinder mit Almweidegang haben ein deutlich erhöhtes Risiko, mit Leptospiren in Kontakt zu kommen. Vermutlich liegt dies am intensiveren Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen sowie an der Nutzung natürlicher Wasserstellen.
- Alter: Ältere Tiere weisen häufiger Antikörper auf, was durch eine längere Expositionszeit erklärt werden kann.
- Betriebsgröße: In Niederösterreich sind kleinere Betriebe häufiger betroffen, in Vorarlberg größere Betriebe. Das dürfte mit unterschiedlichen Haltungsformen und Biosicherheitsmaßnahmen zusammenhängen.
Andere Faktoren wie Betriebstyp, genauer Probenahmeort innerhalb einer Region, Jahreszeit oder Untersuchungsjahr zeigten keinen nachweisbaren Einfluss.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Regionen liegt im Weidemanagement: Während in Niederösterreich nur etwa 7% der untersuchten Tiere gealpt wurden, waren es in Vorarlberg rund 80%.
Fazit für die Praxis
Für die Praxis ergeben sich daraus folgende Empfehlungen:
- Leptospirose sollte bei Fruchtbarkeitsproblemen und insbesondere bei Aborten gezielt abgeklärt werden.
- Schadnagerpopulationen sollten konsequent reduziert werden.
- Der Zugang zu offenen, möglicherweise durch Nagerurin kontaminierten Wasserquellen sollte eingeschränkt oder kontrolliert werden.
- Eine regelmäßige serologische Überwachung ist sinnvoll - auch im Sinne des One-Health-Gedankens, da infizierte Tiere eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen.