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Milchproduzent:innen mit Quelle & Brunnen am Hof in der Pflicht

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02.06.2026 | von Johanna Mandl, BEd

Milchproduzent:innen mit eigener Quelle oder eigenem Brunnen sind gesetzlich verpflichtet, alle drei Jahre das Wasser mikrobiologisch untersuchen zu lassen, wenn es für die Reinigung der Melkanlage verwendet wird. Was von der Probenziehung bis zur Reaktion auf den Befund zu tun ist, erfahren Sie im Beitrag.

Melkanlagenreinigung.jpg © Paula Pöchlauer-Kozel/LK Niederösterreich
Stark mit Keimen belastetes Wasser kann sich direkt auf die Milchqualität und im Tränkewasser auf Schmackhaftigkeit und Tiergesundheit auswirken. © Paula Pöchlauer-Kozel/LK Niederösterreich
Laut verfügbarer Zahlen müssen viele milchviehhaltende Betriebe in den nächsten Jahren handeln. Die bis dato im Qualitätslabor eingelangten Proben sind, je nach Region, großteils nicht einwandfrei. Quellen betrifft es stärker als Schacht- und Bohrbrunnen.

Achtung: Auf autorisierte Probenahme achten

Gemeinden bieten für ihre Einwohner:innen Wasseruntersuchungsaktionen an. Ebenso gibt es günstige Anbieter mit vergleichbaren bis günstigeren Preisen laut Liste. Bei Vergleichsangeboten sollte man unbedingt darauf achten, dass externe Probenahme, Anfahrt und Labortransport im Preis inbegriffen sind. Wasseruntersuchungen mit Selbsttestkits von Laboren können qualitativ hochwertig sein und als Informationsgrundlage für die Verbesserung der Wasserversorgung genutzt werden.

Die Ergebnisse sind aber nicht zur Vorlage an den Amtstierarzt oder die Amtstierärztin geeignet. Hier wird eine „autorisierte Probennahme“ gefordert, das heißt, dass eine betriebsfremde Person die Probe zieht. Die Untersuchungsergebnisse der autorisierten Probe sind drei Jahre so aufzubewahren, dass man sie schnell findet. Nach drei Jahren muss eine neue Untersuchung durchgeführt werden.

Untersuchungsergebnis rasch durchlesen

Betriebsführer:innen müssen die Ergebnisse umgehend begutachten und interpretieren. Ein Untersuchungsergebnis wird in der Regel mit einem kurzen Briefkopf und einer Beschreibung der Probe übermittelt. Darunter oder auf der nächsten Seite befindet sich eine Tabelle, die die untersuchten Parameter anführt. Jeder Parameter weist ein eigenes Untersuchungsergebnis aus, inklusive der dazugehörigen Indikatorwerte. Die weiteren Details in der Tabelle, wie Einheit, Menge, Anzahl und Norm, sind für Landwirt:innen uninteressant.
05 Bezeichnung der Spalten am Bericht.png © Johanna Mandl/LK Niederösterreich
Abbildung 1: Für Landwirt:innen interessant: Ergebnis, Indikatorparameter und Parameterwert. © Johanna Mandl/LK Niederösterreich
In Abbildung 1 ist die Spalte mit dem betriebseigenen Ergebnis grün markiert. Sie führt alle Analysewerte der eigenen Wasserprobe untereinander auf. Die gelb markierte Spalte daneben zeigt untereinander die „Indikatorparameterwerte“ auf. Diese Werte sollte man einhalten. Eine Abweichung ist noch nicht schlimm. Bei groben Abweichungen sollte man aber nachforschen. Die nächste, rot markierte Spalte zeigt die Grenzen für die Parameterwerte auf. Sie sind Grenzwerte, die einzuhalten sind. Kann das eigene Untersuchungsergebnis diese Grenzwerte nicht einhalten, sind umgehend Nachforschungen und Verbesserungsmaßnahmen zu tätigen.
05 Untersuchungsergebnis Wasser mikrobiologisch Firefly Upscaler 2x Skalierung.png © Johanna Mandl/LK Niederösterreich
Die Abbildung zeigt die Ergebnistabelle im Detail. Die sensorischen Parameter „Aussehen“, „Geruch“ und „Geschmack“ sind in der Regel uninteressant und deshalb hier rot markiert und durchgestrichen. Gibt es bei Aussehen, Geruch und Geschmack schon Abweichungen, hätten Landwirt:innen sofort etwas unternommen. © Johanna Mandl/LK Niederösterreich

pH-Wert, Leitfähigkeit und SAK436

Die „physikalischen Parameter“ sind in der Tabelle gelb markiert. Sie sind für die Mikrobiologie uninteressant, informieren aber über den pH-Wert, die Leitfähigkeit und den SA436. SAK436 ist ein Messwert für generelle Trübungen und gelöste Stoffe im Wasser. Die Leitfähigkeit ist ein Messwert für gelöste Salze, zum Beispiel auch für Kalk. Überschreitet die eigene Probe die Indikatorwerte, dann kann sich das Wasser schon negativ auf die Schmackhaftigkeit und das Leitungssystem auswirken. Sehr saures Wasser korrodiert, sehr basisches Wasser verursacht in der Regel Kalkablagerungen. Für die eigene Wasserversorgung haben Landwirt:innen jedoch die Werte in den letzten Zeilen untersucht: die mikrobiologischen Parameter – in der Tabelle grün markiert.

Mikrobiologie verpflichtend alle drei Jahre

Die „mikrobiologischen Parameter“ sind jene, die kleine Wasserversorgungsanlagen und milcherzeugende Betriebe alle drei Jahre untersuchen und nachweisen müssen.
Dabei gilt für die Gesamtkeimzahl bei 37 °C, die Gesamtkeimzahl bei 22 °C und die Coliformen Keime jeweils ein Indikatorparameterwert. Das heißt, idealerweise sind
  • die KbE 37 °C weniger als 20 – vergleiche den Wert mit jenem in der Spalte „Indikatorparameterwert“,
  • die KbE 22 °C weniger als 100 und
  • die Coliformen Keime 0. 
Alle drei Werte sind mit lila Häkchen markiert.

Wenn die eigene Wasserprobe mehr als den Indikatorwert aufweist, ist noch nicht sofort Feuer am Dach. Jedoch sollte man trotzdem überprüfen, woher der unerwünschte Keimeintrag kommen kann. Häufig ist es ein Eintrag von zumeist ungefährlichen Umweltkeimen.

Probenziehung über LKV NÖ

Sehr viele Landwirt:innen nutzen für die geforderte mikrobiologische Wasseruntersuchung das Service des LKV NÖ in Kooperation mit dem Qualitätslabor Niederösterreich. Weiterhin können sich sowohl LKV-Mitglieder als auch andere interessierte Landwirt:innen online dafür anmelden. Geschulte LKV-Kontrollassistent:innen kommen nach Anmeldung auf den Betrieb, ziehen die Wasserprobe und nehmen sie am gleichen Tag mit ins Labor. Hier geht´s zur Anmeldung.

Sie ziehen die Probe oft nicht sofort, da sie organisatorisch darauf achten, möglichst viele Betriebe innerhalb eines kleinen Umkreises anfahren zu können, um die Anfahrtskosten für alle gering zu halten. Der Preis für eine Untersuchung inklusive Probenahme über den LKV NÖ beträgt 173,76 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Keine E. Coli und Enterokokken

In den letzten beiden Zeilen der mikrobiologischen Untersuchung werden E. Coli und intestinale Enterokokken oder nur „Enterokokken“ angeführt. Diese beiden Keime haben einen Parameterwert von 0. Das heißt, damit das Wasser genusstauglich und sicher zu verwenden ist, dürfen keine E. Coli-Keime oder intestinalen Enterokokken gefunden werden. Diese stammen in der Regel aus dem Verdauungstrakt von Tier und Mensch und gelangen über Abwässer, Düngung zu nah am Wassereinzugsgebiet oder zum Beispiel durch undichte Brunn- und Quellfassungen ins Wasser. Sie können sich negativ auf die Produktqualität auswirken. Im Tränke- und Trinkwasser wirken sie sich negativ auf die Gesundheit von Mensch und Tier aus.

Was tun?

Wird hier der Parameterwert überschritten, muss man handeln. Erste Schritte sind Selbstchecklisten für die eigene Wasserversorgung, informative Eigenuntersuchungen ab der Wasserfassung und Kontrollen von Leitungssystem, Brunnen und Behälter. Bei Behältern und Brunnen kann nach Behebung von baulichen Mängeln auch eine einmalige Wasserdesinfektion durch einen Profi sinnvoll sein.

Sind die Keimzahlen im Wasser trotz anderer Verbesserungsmaßnahmen weiterhin hoch, kann die langfristige Lösung eine dauerhafte Wasserdesinfektion sein. Die Wasserqualität entspricht dann auch den Anforderungen einer Milchhygienekontrolle. Positive Nebeneffekte können weniger Erkrankungen bei den Tieren, bessere Wasseraufnahme und weniger Biofilme in Tränken und Leitungen sein.

Landwirtschaftskammer NÖ steht mit Rat und Tat zur Seite

Bei Fragen zur eigenen Wasserversorgung, zur Untersuchungspflicht für Melkanlagenreinigungswasser und Milchhygienekontrolle steht das Team des Referates Milchwirtschaft gerne zur Verfügung.

Kontakt

  • Johanna Mandl
    Johanna Mandl, BEd
    johanna.mandl@lk-noe.at
    T 05 0259 23302

Links zum Thema

  • Hier geht´s zur mikrobiologischen Wasseruntersuchung des LKV NÖ
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