Soll in Zukunft ein Melkroboter meine Kühe melken?
In Niederösterreich wird die Melkarbeit schon auf über 400 Betrieben von einem Melkroboter erledigt. Österreichweit sind es sogar 2.000 Betriebe. Jeder fünfte Liter Milch wird von einem Melkroboter gemolken.
Das Interesse am automatischen Melken ist groß, weil es einerseits eine wesentliche Arbeitsentlastung darstellt und andererseits die Stallarbeit flexibler gestaltet werden kann. Doch welche drei Dinge sollten unbedingt beachtet werden, wenn man einen Umstieg auf ein automatisches Melksystem plant? Die Antwort gibt es im Video.
Aufgrund ihrer Cookie Präferenzen deaktiviert.
Fünf Fragen für den Einstieg
Es gilt, fünf Fragen zu beantworten: zur Arbeitswirtschaft, zur Tiergesundheit, zur Fütterung, zum Kuhverkehr und zur Betriebswirtschaft.
- Arbeitswirtschaft: Die Stallarbeit wird durch den Melkroboter deutlich flexibler, da es keine fixen Melkzeiten gibt. Allerdings müssen Bäuerin und Bauer flexibler werden. Da rund um die Uhr gemolken wird, können rund um die Uhr Störungen auftreten, die man rasch beheben muss. Wie viel Arbeitszeit man tatsächlich einsparen kann, hängt sehr davon ab, wie gut man Tiergesundheit und Fütterung managt und wie gut der Kuhverkehr rund um den Melkroboter funktioniert. Also: Passt der Roboter zu meiner Art zu Arbeiten?
- Tiergesundheit: Die Auswirkungen mangelnder Tiergesundheit bekommt man als "Roboter-Landwirtin/Landwirt" noch deutlicher zu spüren. Der Melkroboter sammelt zwar viele Daten rund um die Kühe, die rasch auf tiergesundheitliche Probleme hinweisen, wenn man die Warnlisten verlässlich sichtet. Gibt es aber Problemkühe, werden sie sofort zu "Zeitfressern". Manche Tiere muss man zusätzlich nachtreiben. Euterbehandelte Kühe sind zu holen und geblockt zu melken. Also: Kann ich in der Tiergesundheit den Fokus auf konsequente Vorbeugung legen?
- Fütterung: Kühe besuchen den Melkroboter nicht zum Melken, sondern zum Fressen. Bei jeder Melkung muss eine gewisse Menge Lockfutter angeboten werden. Meist sind das ein bis 1,5 Kilogramm pro Melkung. Automatisches Melken und eine Totalmischration schließen sich also aus. Häufige Futtervorlage und regelmäßiges Futteranschieben wirken positiv auf das Laufverhalten der Herde und somit auf die Melkfrequenz. Ist die Trogration zu "fett", leiden Laufverhalten und Melkfrequenz. Ist die Trogration zu "mager", leiden Tiergesundheit und Milchleistung. Also: Kann ich die Futterration entsprechend anpassen?
- Kuhverkehr: Der Melkroboter muss für Kuh und Mensch einfach zu erreichen sein. Rund um den Melkroboter sollte es genügend Platz für die Kühe geben. Davon profitieren vor allem rang-niedrigere Tiere. Ein flexibel zu schließender Vorwartebereich erleichtert das Nachtreiben von Einzeltieren. Eine Nachselektion erleichtert Tierkontrolle und Managementaufgaben. Also: Ermöglichen mir Bausubstanz und Stallsystem entsprechende Anpassungen vorzunehmen?
- Betriebswirtschaft: Beim Melkroboter hängen Kosten und Wirtschaftlichkeit wesentlich von der Auslastung ab. Fixkosten wie Technik, Gebäude, Einbau und Servicevertrag sowie variable Kosten wie Strom, Wasser, Melkhygiene und Reparaturen müssen berücksichtigt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht sollte man mehr als 500.000 Kilogramm verkaufte Milch pro Jahr anstreben. Gebrauchte Melkroboter sind vor allem in der Anschaffung günstiger und können deshalb für Betriebe mit niedrigerer Lieferleistung interessant sein. Also: Welche Lieferleistung erbringe ich und ist ein Roboter für mich wirtschaftlich?