Zukunftsstrategie Marktfruchtbau – von der Planung zum Plan
Die wirtschaftliche Situation
der Marktfruchtbetriebe in
Niederösterreich ist in den letzten
Jahren von Effekten beeinflusst,
die in der Intensität und
auch in deren Häufigkeit eine
sehr herausfordernde Gemengelage
darstellen.
- Die Volatilität auf den Produktmärkten ist hoch und von internationalen Mengenbilanzen beeinflusst – und gerade in den letzten Jahren waren die Preise rückläufig.
- Aufgrund verschiedenster geopolitischer Ereignisse sind die Preise für Energie seit Jahren auf einem Höhenflug . Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass Preise für Betriebsmittel, wie etwa Dünger oder Treibstoffe, immens angezogen haben.
- Rechtliche Rahmenbedingungen machen die ackerbauliche Produktion sehr herausfordernd und schränken zusehends ein – etwa beim Pflanzenschutz. Dies verteuert auch die Produktion, speziell im Wettbewerb zu Ländern in anderen globalen Regionen.
Entwicklung und Strategieprozess
Diese Entwicklungen verspüren
Ackerbäuerinnen und
Ackerbauern zusehends, und
sie lassen sich auch an den
Zahlen ablesen – die Einkommenssituation
und -entwicklung
bei Marktfruchtbetrieben
zeigt Handlungsbedarf auf.
Das Präsidium und die Führung
der Landwirtschaftskammer
stellten daher bereits im
Herbst 2025 erste Überlegungen
und Planungen an, eine
Analyse und Maßnahmenplanungen
für den Marktfruchtbau
durchzuführen. Die Analysen
und Planungen sollen in eine,
in den nächsten Jahren umzusetzende
Strategie einfließen.
Bei der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich am 1. Dezember 2025 wurde die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung der „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau“ unter der Leitung von Vizepräsident Lorenz Mayr beschlossen.
Bei der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich am 1. Dezember 2025 wurde die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung der „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau“ unter der Leitung von Vizepräsident Lorenz Mayr beschlossen.
Regionalworkshops mit Bäuerinnen & Bauern
Ganz klar stand von Beginn an
fest, dass ein derartiger Strategie-
und Maßnahmenprozess
eine starke Einbindung von
Bäuerinnen und Bauern aus allen
Regionen braucht .
Die Situation ist auch über die
Regionen in Niederösterreich
nicht gleich. Im Rahmen von
Regionalworkshops lag auch
ganz klar der Fokus darauf, die
Besonderheiten in den Regionen
herauszuarbeiten. In fünf
Regionalworkshops wurden
daher folgende Bezirke zusammengefasst:
- Industrieviertel: Baden, Bruck, Mödling, Wr. Neustadt, Neunkirchen
- Weinviertel Ost: Gänserndorf, Mistelbach
- Weinviertel West: Korneuburg, Tulln, Hollabrunn
- Waldviertel: Horn, Waidhofen/ Thaya, Zwettl, Gmünd, Krems
- Zentralraum – Mostviertel: Melk, St. Pölten, Amstetten, Waidhofen/Ybbs, Scheibbs, Lilienfeld
Breiter Kreis an Teilnehmer:innen
Der Teilnehmerkreis bei diesen
Regionalworkshops wurde bewusst
breit gesetzt und bezog
auch verschiedenste Personengruppen
ein:
- Regionale Funktionär: innen – Kammerobmänner/- obfrau, Landeskammerrät: innen, agrarische Abgeordnete, Bezirksbäuerinnen, Landjugend Agrarkreis
- Kammersekretär:innen
- Meinungsbildner:innen – ausgewählte Personen nach Region
- Verarbeiter:innen und Aufkäufer:innen – ausgewählte Personen je Region
Themenschwerpunkte
Erarbeitet wurden in diesen
regionalen Arbeitstreffen Themenschwerpunkte, die Arbeitsgruppen
bearbeitet und
diskutiert haben:
- Welche politischen
Rahmenbedingungen
braucht es, damit ich
den Marktfruchtbau
wirtschaftlich führen
kann?
- Im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik und im Österreichischen Agrar- Umweltprogramm
- Bei den verschiedenen Betriebsmitteln, zum Beispiel Dünger und Pflanzenschutz sowie Energie, zum Beispiel Strom und Treibstoff
- Welche unternehmerischen
Potenziale sollte
jeder Betrieb nutzen?
- Organisation am Feld und im Büro
- Strategie und Wirtschaftlichkeit
- Markt, Preis und Struktur
- Wo können und sollen die Landwirtschaftskammer Niederösterreich und BBK noch besser unterstützen?
Welche Stellschrauben für Betriebe?
Neben den agrarpolitischen
Fragen wurde aber auch bewusst
darauf Wert gelegt, herauszuarbeiten,
welche einzelbetrieblichen
Anpassungen
möglich sind oder welche Stellschrauben
Betriebe stellen können,
um ihre betriebliche Situation
abzusichern oder zu verbessern.
Und für uns als LK NÖ
ist es ganz besonders wichtig,
dafür auch die notwendigen
und maßgeschneiderten Bildungs-
und Beratungsangebote
bereitzuhalten und anzubieten
um Bäuerinnen und Bauern bei
Veränderungsprozessen bestmöglich
begleiten zu können.
Wo der Schuh drückt
Bei diesen Regionalworkshops
nahmen rund 130 Personen
teil. Das Ergebnis ist eine sehr
fundierte Analyse, die zeigt,
wo der „Schuh drückt“. Die
Workshops brachten aber auch
eine Vielzahl an Anregungen,
Ideen und Vorschlägen, was es
braucht, damit Weiterentwicklung
stattfinden kann.
Was ist mitzunehmen?
Was ist davon für die Betriebe
und für die LK NÖ mitzunehmen?
Es wird für die Fitness der
Marktfruchtbetriebe mehreres
brauchen:
- unterstützende agrarpolitische Maßnahmen,
- eine starke und gestärkte Interessenvertretung für die agrarpolitische Umsetzung und
- einzelbetriebliche Maßnahmen der Bäuerinnen und Bauern.
Kompass für zukunftsfitten Ackerbau
Steigende Düngepreise, hohe Treibstoffkosten, eingeschränkter Pflanzenschutz und das bei Produktpreisen, die keine zufriedenstellenden Deckungsbeiträge ermöglichen. Die Situation im Marktfruchtbereich ist in den letzten beiden Jahren angespannt – und die diesjährige massive Dürre in quasi allen Ackerbauregionen Niederösterreichs übertrifft in ihrer Dimension alles bisher Dagewesene. Keine leichte Pille, die für die Ackerbäuer:innen momentan zu schlucken ist. Aber gerade in derart schwierigen Zeiten ist noch mehr Ärmelaufkrempeln gefragt als sonst: Einerseits agrarpolitisch – Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie ein einkommenswirksames Wirtschaften ermöglichen. Anderseits im eigenen wirtschaftlichen Handeln. Ja, wir haben tolle und kompetente Ackerbäuer:innen. Aber so wie sich das Klima als Produktionsund Märkte als Erlösgrundlage verändern, sind auch strukturelle betriebliche Entwicklungsschritte notwendig. Um dazu die bestmögliche Beratung und Unterstützung für diese schwierige Phase für Marktfruchtbetriebe anbieten zu können, passen auch wir unsere Beratungs- und Weiterbildungsangebote zielgerichtet an. Und wenn es Angebotslücken gibt, wollen und werden wir diese auch so schnell wie möglich schließen. Bleiben wir dazu einfach in Kontakt.