Marktfruchtbau der Zukunft: Die eigenen Hebel nutzen
Welche Hebel hat nun der Betrieb selbst in der Hand?
Genau hier setzt die „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau“ der Landwirtschaftskammer Niederösterreich an. Gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten wurde in Workshops erarbeitet, was es braucht, damit Marktfruchtbau auch künftig wirtschaftlich betrieben werden kann. Neben agrarpolitischen Rahmenbedingungen stand dabei besonders im Mittelpunkt, welche unternehmerischen Potenziale die Betriebe selbst nutzen können. Denn eines wird angesichts enger werdender Margen immer deutlicher: Landwirtschaftliche Betriebsführung bedeutet heute mehr denn je unternehmerisches Handeln. Gute Produktion bleibt die Grundlage. Aber für den wirtschaftlichen Erfolg reicht es nicht mehr aus, nur möglichst hohe Erträge zu erzielen. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter müssen Kosten kennen, Risiken einschätzen, Investitionen hinterfragen, Märkte beobachten und den eigenen Betrieb laufend weiterentwickeln.
Eigene Zahlen kennen
Der wichtigste Hebel beginnt bei den eigenen Betriebszahlen. Wie wirtschaftlich eine Kultur tatsächlich ist, lässt sich nicht allein am Ertrag erkennen. Entscheidend ist, welche Leistungen den dafür notwendigen Kosten gegenüberstehen.
Gerade bei niedrigen Produktpreisen gewinnt eine konsequente Kostenrechnung an Bedeutung. In den Workshops wurde die genaue Kenntnis der betrieblichen Kostenstruktur – insbesondere bei Fixkosten, Maschinen und Pacht – als wesentliche Voraussetzung für fundierte Entscheidungen hervorgehoben. Deckungsbeitrags- und Vollkostenrechnungen schaffen dafür die notwendige Grundlage.
Welcher eingesetzte Euro bringt Nutzen?
Dabei geht es nicht darum, möglichst überall zu sparen. Entscheidend ist die Frage: Welcher Euro, den ich einsetze, bringt mir einen entsprechenden wirtschaftlichen Nutzen?
Eine zusätzliche Überfahrt, mehr Dünger, eine neue Maschine oder eine zusätzliche Pachtfläche können aus produktionstechnischer Sicht interessant sein. Unternehmerisch betrachtet, müssen sie sich aber auch rechnen.
Vergleichszahlen können zusätzlich helfen, die eigene Situation einzuordnen. Auch die Arbeitskreise Unternehmensführung bieten dafür eine Möglichkeit: Eigene betriebswirtschaftliche Kennzahlen können ausgewertet, mit anderen Betrieben verglichen und gemeinsam diskutiert werden. Damit wird sichtbar, wo Stärken liegen und in welchen Bereichen Verbesserungspotenzial besteht.
Pachtflächen: Wachstum muss sich rechnen
Ein besonders wichtiger Kostenfaktor ist für viele Marktfruchtbetriebe die Pacht. Gerade bei knappen Erzeugerpreisen kann ein hoher Pachtpreis darüber entscheiden, ob zusätzliche Fläche einen Beitrag zum Einkommen liefert oder lediglich mehr Umsatz und Arbeit verursacht.
- Vor Abschluss oder Verlängerung eines Pachtvertrages sollte man rechnen: Welchen Deckungsbeitrag kann die Fläche unter realistischen Ertrags- und Preisannahmen erwirtschaften?
- Welche zusätzlichen Maschinen-, Arbeits- und Fahrtkosten entstehen?
- Wie wirkt sich die Fläche auf die Auslastung vorhandener Technik aus?
- Welches Risiko trägt der Betrieb in Jahren mit schwachen Erträgen?
Maschinen: Kosten je Hektar entscheiden
Ein weiterer großer Hebel liegt in der Mechanisierung. Moderne Technik bietet Schlagkraft, Präzision und Arbeitskomfort. Gleichzeitig bindet sie viel Kapital und verursacht hohe Fixkosten. Abschreibung, Verzinsung, Versicherung und Unterbringung fallen auch dann an, wenn eine Maschine nur wenige Stunden im Jahr eingesetzt wird. Je geringer die Auslastung, desto höher werden die Kosten je Stunde und je Hektar.
Für Investitionsentscheidungen ist nicht die gewünschte Maschine ausschlaggebend, sondern der tatsächliche Leistungsbedarf des Betriebs. Entscheidend sind
Für Investitionsentscheidungen ist nicht die gewünschte Maschine ausschlaggebend, sondern der tatsächliche Leistungsbedarf des Betriebs. Entscheidend sind
- eine ausreichende Auslastung,
- die Kosten je Hektar sowie die Prüfung möglicher kostengünstigerer Alternativen.
Womit kann man sparen?
Kooperationen können dabei ein wesentlicher Hebel sein. Maschinen- und Betriebsgemeinschaften, gemeinsame Investitionen, überbetrieblicher Maschineneinsatz oder die Zusammenarbeit bei Arbeitsspitzen können Fixkosten reduzieren und vorhandene Ressourcen besser auslasten. Auch Flächentausch und Arrondierung können Wegzeiten, Dieselverbrauch, Maschinenstunden und Arbeitsaufwand senken.
Zeit und Büroorganisation haben einen Wert
Auch abseits des Feldes bestehen beeinflussbare Kosten. Dokumentationspflichten, Förderabwicklung, Aufzeichnungen und allgemeine Büroarbeit beanspruchen zunehmend Zeit.
Eine strukturierte Büroorganisation, digitale Anwendungen und automatisierte Datenübernahmen können helfen, Doppelarbeiten zu vermeiden und Abläufe effizienter zu gestalten. In der Zukunftsstrategie wurden deshalb Büroorganisation, Automatisierung, Arbeitsplanung und Prozessoptimierung ausdrücklich als Handlungsfelder genannt. Auch die eigene Arbeitszeit muss dabei als knappe Ressource verstanden werden. Nur weil für die eigene Stunde keine Rechnung ins Haus kommt, ist sie nicht kostenlos.
Vermarktung ist Teil der Produktion
Landwirte haben auf den Weltmarktpreis keinen direkten Einfluss. Sehr wohl beeinflussen können sie jedoch, wie sie mit Preisrisiken umgehen, beziehungsweise wann und auf welche Weise sie vermarkten.
Wirtschaftlich gesehen, endet der Produktionsprozess deshalb nicht mit der Ernte. Erst der tatsächlich erzielte Preis entscheidet über das Ergebnis.
Die Zukunftsstrategie sieht eine stärkere Auseinandersetzung mit Marktinformationen, Kontraktproduktionen, Lieferverträgen und Terminmärkten vor. Ziel ist nicht, jedes Jahr den höchsten Preis zu erreichen. Vielmehr geht es darum, Risiken zu verteilen und eine Vermarktungsstrategie zu entwickeln, die zum eigenen Betrieb passt. Auch hier zeigt sich, warum die eigene Kostenrechnung so wichtig ist: Nur wer seine Produktionskosten kennt, weiß auch, welcher Verkaufspreis für den eigenen Betrieb interessant ist.
Unternehmerisches Handeln bedeutet deshalb auch, nicht nur ein guter Produzent, sondern ein aktiver Marktteilnehmer zu sein.
Einkommensquellen: Betrieb weiterdenken
Ein weiterer beeinflussbarer Hebel liegt in der strategischen Weiterentwicklung des Betriebes. Nicht jeder Betrieb muss ausschließlich über mehr Fläche oder höhere Erträge wachsen.
Diversifizierung, neue Kulturen, Nischenmärkte, Direktvermarktung oder Verarbeitung können zusätzliche Einkommensmöglichkeiten schaffen und Risiken auf mehrere Standbeine verteilen. Allerdings gilt auch hier: Nicht jede neue Idee ist automatisch ein gutes Geschäftsmodell.
Vor dem Einstieg in einen neuen Betriebszweig sollten die wirtschaftlichen Chancen und Anforderungen sorgfältig geprüft werden. Entscheidend sind das vorhandene Marktpotenzial, die erzielbaren Preise, der notwendige Investitionsbedarf sowie der zusätzliche Arbeitsaufwand. Ebenso wichtig sind verlässliche Absatzmöglichkeiten und die Frage, ob das Vorhaben zum Standort, zur betrieblichen Ausstattung und zu den vorhandenen Fähigkeiten passt. Genau mit solchen Überlegungen beschäftigt sich das ebenfalls ab diesem Winter angebotene Seminar „Marktfruchtbau weiterdenken – Neue Einkommensquellen zwischen Theorie und gelebter Praxis“. Praxisbeispiele sollen dabei helfen, Chancen, aber auch Herausforderungen neuer Betriebszweige realistisch einschätzen zu können.
Diversifizierung, neue Kulturen, Nischenmärkte, Direktvermarktung oder Verarbeitung können zusätzliche Einkommensmöglichkeiten schaffen und Risiken auf mehrere Standbeine verteilen. Allerdings gilt auch hier: Nicht jede neue Idee ist automatisch ein gutes Geschäftsmodell.
Vor dem Einstieg in einen neuen Betriebszweig sollten die wirtschaftlichen Chancen und Anforderungen sorgfältig geprüft werden. Entscheidend sind das vorhandene Marktpotenzial, die erzielbaren Preise, der notwendige Investitionsbedarf sowie der zusätzliche Arbeitsaufwand. Ebenso wichtig sind verlässliche Absatzmöglichkeiten und die Frage, ob das Vorhaben zum Standort, zur betrieblichen Ausstattung und zu den vorhandenen Fähigkeiten passt. Genau mit solchen Überlegungen beschäftigt sich das ebenfalls ab diesem Winter angebotene Seminar „Marktfruchtbau weiterdenken – Neue Einkommensquellen zwischen Theorie und gelebter Praxis“. Praxisbeispiele sollen dabei helfen, Chancen, aber auch Herausforderungen neuer Betriebszweige realistisch einschätzen zu können.
Wissen nutzen: Angebote im Winter
Die Zukunftsstrategie soll nicht bei der Beschreibung von Problemen stehen bleiben. Aus den Diskussionen der Workshops werden deshalb auch konkrete Bildungs- und Beratungsangebote abgeleitet. Weiterbildung, Wissenstransfer und der Austausch von Praxiserfahrungen waren zentrale Anliegen der beteiligten Betriebe. In den Wintermonaten bietet die Landwirtschaftskammer unter anderem folgende Seminare an:
- Bewässerung – wie erfolgt der Einstieg und wie rechnet es sich?
- Pachtpreise – Wie kalkuliere ich meine Schmerzgrenze?
- Marktfruchtbau weiterdenken – neue Einkommensquellen zwischen Theorie und gelebter Praxis
Wassermanagement: Boden und Bewässerung gezielt einsetzen
Trockenperioden machen deutlich, wie wichtig ein aktives Wassermanagement im Marktfruchtbau ist. Standortgerechte Bodenbewirtschaftung gewährleistet, dass der Boden die Niederschläge möglichst gut aufnehmen und speichern kann. Auch Bewässerung kann zur Absicherung der Erträge beitragen.
Während Maßnahmen wie Humusaufbau, vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und die Vermeidung von Bodenverdichtungen die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens stärken, erfordert Bewässerung eine sorgfältige wirtschaftliche Bewertung. Entscheidend sind dabei die zusätzliche Ertragssicherung, die Investitions- und Betriebskosten sowie die regionalen Voraussetzungen für die Wasserversorgung.
Letztlich braucht es eine Kombination aus bodenschonender Bewirtschaftung, geeigneter Infrastruktur und einer fundierten Wirtschaftlichkeitsrechnung, um die Produktionssicherheit langfristig zu verbessern.
Von Landwirt:innen zu landwirtschaftlichen Unternehmer:innen
Die Ergebnisse der Zukunftsstrategie Marktfruchtbau zeigen deutlich: Auch wenn Betriebe viele Rahmenbedingungen wie Marktpreise, Witterung oder politische Vorgaben nicht beeinflussen können, verfügen sie über zahlreiche eigene Stellschrauben. Die Kenntnis der Betriebszahlen, wirtschaftlich fundierte Entscheidungen bei Pacht und Investitionen, eine effiziente Organisation, ein aktives Vermarktungsmanagement, die Erschließung neuer Einkommensquellen sowie ein vorausschauender Umgang mit der Ressource Wasser tragen wesentlich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Erfolgreicher Marktfruchtbau basiert daher nicht allein auf guter Produktionstechnik, sondern zunehmend auf unternehmerischem Denken und Handeln. Genau dabei sollen die Angebote der Landwirtschaftskammer Niederösterreich unterstützen: Potenziale erkennen, fundierte Entscheidungen treffen und die Zukunft des eigenen Betriebes aktiv gestalten.